Europa macht es möglich: Seit genau zehn Jahren dürfen Versicherer ihre Produkte nicht nur in der Heimat, sondern auch grenzüberschreitend im europäischen Ausland anbieten. Groß war die Sorge bei der deutschen Assekuranz, ausländische Konkurrenten könnten die Kundschaft wegschnappen.

Getan hat sich tatsächlich einiges. Franzosen und Italiener haben mit spektakulären Unternehmensübernahmen gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Kaum etwas erinnert heute noch daran, dass sich unter der französischen Axa die beiden deutschen Traditionsunternehmen Nordstern und Colonia verbergen. Die vornehme Triester Generali hat die Aachener und Münchener Versicherung gekauft. Umgekehrt ist der Münchner Allianz-Konzern in Italien, Frankreich und Spanien erfolgreich auf Einkaufstour gegangen.

Ganz anders haben hingegen die Briten agiert: Sie bieten ihre ureigenen Produkte auf dem deutschen Markt an, statt sich Marktanteile für Firmenkäufe zu sichern. Und das tun sie mit großem Erfolg: Immerhin schon jeder zehnte Euro, der hierzulande in eine Lebensversicherung investiert wird, wird an ein britisches Unternehmen überwiesen.

Eine vergleichsweise hohe Rendite ist das größte Plus, mit dem die Angelsachsen auch nach der Börsenkrise neue Kunden werben können. Fällig werdende Verträge warfen sogar 2003 noch zweistellige Erträge ab. Für 2004 kalkulieren die Gesellschaften mit Gutschriften in Höhe von sechs Prozent.

Deutsche Lebensversicherer bieten für dieses Jahr im Schnitt Gesamtverzinsungen in Höhe von 4,5 Prozent. Dabei handelt es sich um die Summe aus Garantiezins und Gewinnbeteiligung.

Da die Angelsachsen weit mehr Kundengelder in Aktien stecken als hiesige Versicherer - derzeit je nach Anbieter zwischen 50 und 65 Prozent -, schwankt die Höhe der Gewinnzuschrift allerdings auch entsprechend stärker. Im schlimmsten Fall kann sie sogar ganz gestrichen werden.

Eine deutsche Lebensversicherung dagegen wird mit einem für die gesamte Vertragslaufzeit gültigen Garantiezins kalkuliert. In den Genuss der höheren Renditen kommt allerdings nur derjenige, der seinen Vertrag nicht vorzeitig kündigt. Angelsächsische Policen schütten bis zu 60 Prozent des Gesamtguthabens erst bei Vertragsende als Schlussbonus aus. Eine vorzeitige Vertragskündigung ist daher mit deutlich höheren Verlusten verbunden als der Ausstieg aus einer deutschen Police.