Wagen wir die Wette: Auch der nächste US-Präsident wird George W. Bush heißen. Den Hauptgrund deutete Bill Clinton schon 2002 an, als er die Parteifreunde warnte: In üblen Zeiten werde das Volk eher den strong and wrong wählen als den Richtigen und Schwachen. Den zweiten Grund liefert John Kerry, der mit Blick auf Vietnam zugleich den Kriegshelden und den Kriegsgegner gibt, der sich nicht entscheiden kann, ob er für oder gegen den Irak-Krieg war, dessen Positionen so scharf umrissen sind wie ein Batzen Knete. Oder ganz schlicht: Kerry steckt in der Patriotismusfalle, aus der es kein Entrinnen gibt.

Die Meinungsumfragen scheinen Clinton Recht zu geben. Der Vorsprung, den Kerry nach dem Juli-Konvent genoss, ist weggeschmolzen - jetzt liegt Bush mit zwei bis drei Punkten vorn, die sich nach dem New Yorker Parteitag gewiss verdreifachen werden. Und das alte Europa, das Kerry einen Erdrutschsieg verschaffen würde, darf nicht mitwählen. Tun wir also so, als hieße der nächste Präsident ebenfalls Bush. Was dann?

Hier ist die europäische Wunschliste: weniger Arroganz und dafür mehr von der bescheidenen Außenpolitik, die W. im ersten Wahlkampf versprochen hatte, weniger Alleingänge und Gewalt, dafür mehr Diplomatie - insgesamt jene Ernüchterung, die Weisheit gebiert und einer Großmacht viel besser zu Gesicht steht als der Messianismus der Neokonservativen oder der Nationalismus eines Don Rumsfeld. Darf man's erhoffen?

Die Antwort ist ein leises Ja, und zwar nicht, weil die Bushisten plötzlich so empfindsam gegenüber Europa geworden wären, sondern weil sie die Grenzen amerikanischer Übermacht erfahren haben. Es ist eben leichter, ein Regime wegzufegen, als einer ganzen Nation Frieden, gar Demokratie zu bringen. Würde Bush es noch einmal machen? Er antwortet verquast, aber dennoch deutlich: Beim nächsten Mal würde er genauer über die Konsequenzen eines katastrophalen (militärischen) Erfolges nachdenken.

Und die Europäer? Statt den Bush zum Beelzebub zu machen (was weder Freunde noch Einfluss verschafft), sollten sie etwas kühler über den richtigen Umgang mit Riesen nachdenken. Die größte Macht auf Erden wird sich nicht UN-Mehrheiten unterwerfen, wenn es um ihre Sicherheit geht. Es war auch nicht Bush, sondern Clinton, der sich Kyoto und dem Strafgerichtshof entzog - bloß nicht so rüde, wie es die Bushisten getan haben. Eine kluge Diplomatie versucht nicht, Gulliver zu Fall zu bringen, sondern ihn in seinen eigenen Interessen zu verstricken.

Ethno-Terror, Säuberung und gescheiterte Staaten

Zum Beispiel Freihandel: Kein Republikaner war je so protektionistisch wie W.