Die Unis, finanziert wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk? Ein Gespräch mit Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes.

DIE ZEIT : Deutschlands Universitäten sind chronisch unterfinanziert. Wie wollen Sie das ändern?

Bernhard Kempen : Wir wollen die staatliche Finanzierung der Hochschulen aus der Willkür befreien. Es ist rechtsstaatswidrig, dass die Universitäten Geld nach der Kassenlage des Staates erhalten und sie ein Defizit von drei Milliarden Euro wie eine Bugwelle vor sich herschieben. Daher müssen die Universitäten in einem Verfahren finanziert werden, das objektiv, fair und gleichzeitig transparent ist – ein solches Verfahren schlagen wir in einem 80-seitigen Gutachten vor.

Die ZEIT : Was heißt das konkret?

Kempen : Wir schlagen ein Gremium aus Fachleuten vor, das den Finanzbedarf der Universitäten eines Landes ermittelt und diesen in die Politik einspeist. Somit wird schnell deutlich, wie viel Geld die Universitäten benötigen – und ob der Staat seiner Verantwortung für die Hochschulen gerecht wird. Bislang zahlt der Staat eine bestimmte Summe an die Universitäten und kürzt diese bisweilen pauschal. Nun wird die Begründungslast umgegraben: Der Staat muss sich erklären, wenn er die berechtigten Interessen der Hochschulen missachtet.

Die ZEIT : Die Finanzierung von Radio und Fernsehen läuft ganz ähnlich ab. Auch da gibt es eine KEF, eine Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Nun sind Hochschulen aber keine Fernsehsender, die Musikantenstadl ausstrahlen.

Kempen : Ganz gewiss sind Universitäten und Rundfunkanstalten ganz unterschiedliche Einrichtungen. Aber sie haben verfassungsrechtlich eine Gemeinsamkeit: Sie sind beides staatliche Einrichtungen, die gleichzeitig auch dem Staat gegenüberstehen. Sie verteidigen Grundfreiheiten gegen staatlichen Eingriff – die Freiheit von Forschung und Lehre und die Rundfunkfreiheit. Nur bei der Finanzierung läuft es anders: In den Rundfunk steckt der Staat nicht einfach irgendwelche Gelder, die er gerade übrig hat. Vielmehr stellt ein Verfahren sicher, dass der Finanzbedarf angemessen ist – und die entsprechenden Gelder fließen.