Die ersten acht Monate war Guido Germano nur Gast: Er wurde im Dezember 2002 zum Juniorprofessor für physikalische Chemie in Marburg ernannt – doch ein eigenes Büro bekam er nicht. Er war Zwischenmieter in anderen Räumen; sein künftiges Reich musste erst saniert werden. Alle paar Wochen sprach Germano, heute 36 Jahre alt, in der Bauabteilung der Universität vor – "Anträge stellen, nachhaken, aber jetzt ist alles funkelnagelneu", sagt er. Doch bevor Germano, Sohn einer Deutschen und eines Italieners, mit der Arbeit loslegen konnte, musste er die Programme auf seinen Computern installieren; er selbst, versteht sich. "Ich habe zu viel Zeit damit verbracht, eine funktionierende Arbeitsumgebung zu bekommen", sagt er. In anderthalb Jahren wird, wie bei den Junioren vorgeschrieben, Germanos Leistung zwischenüberprüft, bis dahin muss er messbare Ergebnisse vorlegen. Schwierig sei das. Dabei hätte Germano auch einen anderen Weg einschlagen können: Er ging in Deutschland zur Grundschule, in Italien aufs Gymnasium und auf die Uni, arbeitete später an Unis in Bristol und Bielefeld, überlegte dann, an ein Max-Planck-Forschungsinstitut zu gehen, dort bestens ausgestattet und alimentiert. Doch er entschied sich für die Juniorprofessur, der Selbstständigkeit wegen, forscht, unterrichtet Mathe für Chemiker. Jetzt bleibt Frust: der Ärger mit den Räumen, Ärger mit einem wichtigen Kollegen, der nichts von Jungprofessoren hält. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts macht sich Germano "Sorgen, dass ich bald auf der Straße liege". Deshalb will er sich absichern. "Es wird klug sein, sich nebenher zu habilitieren", sagt er, dabei sollte die Juniorprofessur diesem überkommenen Verfahren ein Ende bereiten, bei dem man ein dickes Buch schreibt und das von einer Kommission absegnen lässt. Germano arbeitet nun doppelt. Es sei "am konservativsten, die Habilitation anzustreben", sagt Germano, "doch mittlerweile frage ich schon, ob es nicht klüger gewesen wäre, diesen anderen Weg zu gehen".