Ihre erste allgemeine Verunsicherung durchlebte Heike Omerzu in ihrem dunkelblauen Fiat Bravo, auf der A3 zwischen Arnheim und Oberhausen. Omerzu, 34 Jahre alte Juniorprofessorin für Neues Testament in Mainz, fuhr gerade von einem Kongress nach Hause, als es im Radio hieß: Das Bundesverfassungsgericht hat die Juniorprofessur gekippt. "Ich war völlig überrascht", sagt sie, "mich hat die Unsicherheit in vollem Umfang wieder eingeholt." Die Unsicherheit: Was passiert im April 2009, wenn ihre sechs Jahre als Jungprofessorin um sind? Einen tenure track gibt es für sie nicht – durch diese Spur zur Dauerstelle könnte Omerzu bei guter Leistung gleich Professorin werden; diese Möglichkeit vermissen die meisten Juniorpropfessoren (siehe Jung, glücklich, zukunftslos ). So muss sich Omerzu auf dem freien akademischen Markt profilieren, um andernorts einen Job zu bekommen: Sie forscht über die Christen im Römischen Reich, schreibt ein dickes Buch, nimmt Prüfungen ab – und kümmert sich um die Verwaltung. "Ich habe einen nackten Lehrstuhl", sagt sie, ohne Mitarbeiter und Sekretärin; viel Alltagskram bleibt an ihr hängen. Zudem lehrt sie vier Stunden pro Woche; in zwei Jahren könnte die Lehrverpflichtung auf acht Stunden ansteigen – "da hätte ich kaum noch Zeit für Forschungsarbeit". Omerzu ist dennoch entschlossen: "Trotz aller Widrigkeiten stehe ich zu meinem Weg." Sie lobt, wie selbstständig sie ist, ist froh, dass sie auf internationale Kongresse fahren kann, sich gar in Harvard und Oxford für Stellen vorstellen durfte. "Ohne die Juniorprofessur hätte ich das nicht erreicht." Doch Omerzu baut vor. Sie nimmt an einem Qualifizierungsprogramm der Mainzer Universität teil. Sie lernt, sich zu präsentieren, arbeitet sich in die Ziselierungen des Haushaltswesens ein und tauscht sich mit anderen Juniorprofessoren aus. "Jetzt erst recht!", entgegnet sie der ersten allgemeinen Verunsicherung in sich. "Ich verfalle nicht in Verzweiflung, sondern will jetzt noch bessere Arbeit leisten."