Monika Sokol beschäftigt sich mit einem Thema, das Bildungskonservative sofort ins Reich hipper Jungprofessoren verbannen: Sprache in kulturellen Kontakt- und Austauschprozessen heißt ihr Gebiet, spezifischer: vergleichende HipHop-Forschung. Dabei ist Sokol eine der ältesten Juniorprofessoren Deutschlands: Sie ist 42. Nach dem Abitur 1981 lässt sie sich zur Buchhändlerin ausbilden, leitet dann die Schallplattenabteilung einer Montanus-Filiale. Nach knapp zehn Jahren im Job entscheidet sie sich zu studieren, erst Psychologie, dann Romanistik und Germanistik. "Ich war einfach unruhig und unzufrieden", sagt sie. Die Spätberufene studiert zügig, schreibt in gerade vier Monaten "wie im Rausch" eine 265 Seiten starke Doktorarbeit, "summa cum laude", Dissertationspreis. Sokol wird Assistentin in Bamberg, hört von der Juniorprofessur für iberoromanische Sprachwissenschaft in Bayreuth, denkt: "Mein Gott, wenn du nicht so alt wärst, wär das was." Sie bewirbt sich, die 18 Konkurrenten sind jünger als sie. Komisch findet sie es nicht, dass sie nun eine alte Juniorin ist: "Ich bin akademisch jung und geistig wendig." Sokol schreibt ein zweites Buch, arbeitet nun an ihrem dritten Werk, will sich wissenschaftlich profilieren. Doch die Rechtslage in Bayern lässt ihr keine Ruhe: Da der Freistaat die Juniorprofessur noch nicht im Landesrecht verankert hat, ist sie offiziell auf einer C1-Stelle, die sonst Assistenten haben. Noch bis März kann Sokol dort bleiben, mehr geht nicht, die Gesetze. Wenn Bayern die Juniorprofessur nicht offiziell einführt, ginge Sokol der deutschen Hochschullandschaft verloren – ein Brain-Drain in eine andere Branche. "Ich bin wirklich beunruhigt", sagt Sokol, "die Unsicherheit ist lähmend." Trotzdem: In jedem fünften Satz über den Job fällt das Wort "Spaß". Sie denkt über Auswege nach dem möglichen Aus nach. Vielleicht würde sie eine Firma gründen, Bücher schreiben, Wissenschaft popularisieren. "Es wäre ja nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas Neues mache."