Gleich zu Beginn seiner Amtszeit musste Henning Zülch einen frontalen Annäherungsversuch abwehren: Zülch, damals 29 Jahre alt, kam in die Bibliothek der Technischen Universität im sonst eher ereignisfreien Clausthal, als ihn eine Studentin ansprach: "Hallo, wer bist du denn?" Zülch zuckte zurück und erklärte – dass er Juniorprofessor ist, dass er nun in Clausthal Wirtschaft, genauer: Internationale Rechnungslegung, lehrt. Die Studentin entschuldigte sich. Fürchterlich weit hergeholt ist das Spontan-Du allerdings nicht: Zülch ist ein akademischer Frühstarter, "einer der jüngeren Juniorprofessoren", wie er selbst sagt. Im Mai 2002 war er, gerade 29 Jahre alt, promoviert, fünf Monate später fing er in Clausthal an. Dabei hatte Zülch schon während seiner Promotion als Teamleiter bei den Wirtschaftsprüfern Ernst & Young gearbeitet, könnte dort "heute wesentlich mehr verdienen als an der Universität". Doch Zülch entschied sich für die Juniorprofessur: "Ich bin hier in keine Form gepresst, das wiegt eine Menge auf." Über eine Habilitation, den klassischen Weg zur Professur, hat er dagegen nie nachgedacht. "Ich hätte da nicht aus dem Schatten meines Habilitationsvaters heraustreten können", sagt er, "jetzt werde ich als Gesprächspartner in der Wissenschaft ernst genommen." Und das, obwohl die Wirtschaftswissenschaften als sehr konservatives Fach gelten. Dem heute 31 Jahre alten Zülch gefällt sein neuer Job sogar so gut, dass er gleich einen Club mitgründete: den Förderverein Juniorprofessur, dessen Kassenwart, Schriftführer und Pressesprecher er ist. Lobbyarbeit will er leisten, sich dafür einsetzen, dass "die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht auf dem Rücken der jungen Wissenschaftler ausgetragen wird". Zülch gibt nun viele Interviews, routiniert, souverän. Und auch seine Studenten haben bemerkt, dass er kein Kommilitone ist, sondern ein Juniorprofessor. "Die studentische Hilfskraft aus der Bibliothek", sagt Zülch, "die siezt mich mittlerweile."