Die freudige Nachricht erreichte Wolfgang Herrmann in Singapur: Die Technische Universität München (TU), deren Präsident Herrmann ist, hat sich den Spitzenplatz aller deutschen Hochschulen gesichert. So zumindest steht es im weltweiten Ranking der besten Universitäten, die die Universität von Shanghai veröffentlicht hat. "Die beste deutsche Universität!", sagt Herrmann stolz, der gerade für eine Woche in der TU-Dependance in Singapur Vorlesungen hält. "Da zeigt sich, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, uns zu internationalisieren und die besten Wissenschaftler an die TU zu holen."

Wobei Platz 1 in Deutschland international trotzdem nur Mittelmaß bedeutet – Rang 45, genauer gesagt. Unter den Top 100 finden sich gerade mal sechs weitere deutsche Universitäten: Die Ludwig-Maximilians-Universität München, im Vorjahr noch Deutschlandsieger, Heidelberg, Göttingen sowie erstmals Freiburg, die Berliner Humboldt-Universität (HU) und Bonn. Nicht mehr vertreten ist die Freie Universität (FU) in Berlin, deren Präsident Dieter Lenzen das Ranking als "unausgewogen" bezeichnet, da es zum Beispiel die Nobelpreisträger von vor 100 Jahren überbewerte.

Ranking-Experten hingegen überrascht weder das mittelmäßige deutsche Abschneiden noch der Umstand, dass sich auf den ersten 20 Plätzen 17 US-Universitäten wiederfinden. "Wobei natürlich schon entscheidend ist, welche Kriterien man nimmt", sagt Lutz Bornmann von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Die Forscher aus Shanghai etwa hätten Wert gelegt auf die Nennung in Fachzeitschriften. "Und da gibt es eine gewisse Schlagseite, denn nur englischsprachige Publikationen werden berücksichtigt." FU-Präsident Lenzen kritisiert zudem, dass eine Universität umso besser abschneide, je älter und größer sie sei, weil sie so zwangsläufig auf mehr Preisträger und mehr Nennungen komme. "Doch die Qualität der Lehre bleibt außen vor."

Skepsis ist also angebracht. Allerdings: Gleich, welches der vielen Hochschul-Rankings man sich anschaut, in Deutschland sind es immer die gleichen üblichen Verdächtigen, die auftauchen, die Berliner Universitäten und die Münchner. Und beim letzten Shanghai-Ranking, als die Freie Universität noch vor der Humboldt-Universität lag, hat sich Lenzen nicht beklagt.Jan-Martin Wiarda