Eigentlich sprach vieles für die Deutschen und manches gegen die Japaner. Wir arbeiten seit dem 19. Jahrhundert mit den chinesischen Eisenbahnbehörden gut zusammen. Deshalb glauben wir, dass die Regierung eine weise Entscheidung treffen wird, sagte der chinesische Siemens-Sprecher Dong Jianmei noch im August. Nun ist die Entscheidung gefallen: Nicht Siemens bekam am Montag den ersten Großauftrag für ein chinesisches Schnellbahnsystem, sondern ein Konsortium unter Führung des japanischen Shinkansen-Bauers Kawasaki Heavy Industries. Das ist eine Ohrfeige für jene deutschen Manager, die angesichts der historisch belasteten chinesisch-japanischen Beziehungen immer an ihren Vorteil geglaubt hatten.

Möglicherweise hat dieser Glauben auf der deutschen Seite auch zu Nachlässigkeit geführt. Die Japaner beschäftigen sich sehr mit unseren technologischen Problemen, die Deutschen aber offenbar nicht, gab schon im vergangenen Herbst Chinas ehemaliger Eisenbahnminister Fu Zhihuan in einem Gespräch mit der ZEIT zu Protokoll. Offensichtlich wurde diese Warnung nicht ausreichend wahrgenommen. Jetzt dürfen sich die Japaner freuen - auch über sehr viel Geld. Insgesamt hat das Eisenbahnbau-Projekt ein Volumen von immerhin zwölf Milliarden Euro.