We move the world" – unzählige Male wurde er in den vergangenen Monaten gesendet, jener Fernsehspot, in dem die Gebrüder Gottschalk für DHL werben. Viele Millionen Euro hat die Deutsche Post bereits ausgegeben, um ihre Express- und Logistiksparte als international und modern zu präsentieren. Immer wieder schwärmt Konzernchef Klaus Zumwinkel von der Qualität, dem Pioniergeist und dem global hervorragenden Ruf, den DHL genieße. Weil das ertragreiche Briefmonopol Ende 2007 in Deutschland fällt, spielt das internationale Transportgeschäft der DHL für die Post eine so zentrale Rolle.

Vor rund zwei Jahren wurde die weltweit tätige Firma endgültig übernommen, mit den anderen Express- und Logistikanbietern der Deutschen Post verschmolzen und erwirtschaftet heute mit ihren rund 160000 Mitarbeitern bereits mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes von 40 Milliarden Euro. Mit dieser "neuen DHL" will die Post in die Zukunft aufbrechen.

So weit der schöne Schein. Derweil zerstört die Post, was die Marke DHL in Deutschland groß gemacht hat. Außer dem Namen droht von der alten Firma hierzulande nichts übrig zu bleiben.

Wie Gewerkschafter und Arbeitnehmervertreter übereinstimmend berichten, plant die Post, bei DHL die Touren der mehr als 1000 hauseigenen Kuriere vollständig an billigere Subunternehmer auszulagern, postintern "Servicepartner" genannt. Seit dem 1. Juli, ist zu hören, setze die Post diese Pläne auch systematisch um. So mancher Kurier sei aus dem Urlaub zurückgekehrt und habe feststellen müssen, dass inzwischen jemand anderes seine Tour fahre. "Die Leute stehen jetzt in der Halle rum. Das macht mürbe", sagt ein Mitarbeiter. Passend dazu ist von einer "Abfindungsoffensive" die Rede, mit der in den vergangenen Wochen Arbeitnehmer aus der Firma gedrängt worden seien. Die Post bestreitet die systematische Auslagerung an Subunternehmen und möchte andere Vorwürfe nicht kommentieren.

Wer nicht "freiwillig" geht, muss, wie Mitarbeiter erzählen und interne Unterlagen nahe legen, in den kommenden Monaten mit der Ultima Ratio rechnen – der betriebsbedingten Kündigung. Für die 240000 Mitarbeiter des Mutterkonzerns Deutsche Post AG gilt zwar eine Jobgarantie bis 2008, nicht aber für die Tochterfirmen wie eben die alte DHL mit ihren in Deutschland rund 2400 Mitarbeitern. Zwar empfiehlt die Post gern, sich auf andere Stellen im weit verzweigten Konzern zu bewerben – doch diese Möglichkeit ist wohl eher theoretischer Natur. Vertriebsmitarbeitern etwa wurden im Zuge einer Umstrukturierung neue Jobs angeboten – zu einem rund 500 Euro schlechteren Monatsgehalt, mit 12 statt wie bisher 13 Monatsgehältern und drastisch gekürzten Sozialleistungen. Einige Mitarbeiter sollen schon zum Konkurrenten Federal Express geflüchtet sein.

Dass der gute Ruf von DHL auch von den alt gedienten Mitarbeitern herrührt, ihrem Know-how, ihrer Kundenkenntnis und der offen gezeigten Begeisterung für ihr Unternehmen – die Post scheint es nicht zu kümmern. Die alte Führung, heißt es intern, habe nichts mehr zu sagen, das lockere Du weiche dem formalen Sie, der enge Zusammenhalt einem autoritären Führungsstil. Die öffentlich geäußerte Begeisterung der Post für die neue DHL sorgt denn auch intern für Kritik: "Es ist schon beeindruckend, wie wenig wir darin vorkommen", sagt ein Arbeitnehmervertreter der alten DHL über die neue DHL. "Die DHL ›Classic‹, wie wir sie jetzt schon nennen, wird verschwinden", befürchtet ein anderer.

Zumwinkel prahlt, wie gut er mit den Postlern umgehe – zulasten von DHL

Informationen aus dem Unternehmen zufolge häufen sich seit der Umstellung die Beschwerden der Kunden. Bei der DHL fürchtet man offenbar, dass Konzerne wie die Münchener Rück, Karstadt, Quelle oder adidas die Zusammenarbeit aufkündigen und damit jeweils Umsätze im hohen sechsstelligen Bereich wegbrechen. Kuriere, so die Klage der Auftraggeber, würden ständig wechseln, nur über mangelhafte Deutschkenntnisse verfügen oder auch schon einmal Pakete und Dokumentensendungen tagelang nicht abholen. Einige Kunden sollen ultimativ die Bedienung durch die früheren Mitarbeiter der DHL gefordert haben.