Ein schönes Bild braucht einen schönen Rahmen, der das Bild zelebriert, ihm die Honneurs verschafft, die es verdient, schrieb der große Kunstsammler Heinz Berggruen - und fündig wurde er oft bei dem Berliner Rahmenhändler Olaf Lemke, einem von nur einem Dutzend Spezialisten weltweit. Lemke, Jahrgang 1936, legte den Grundstock seiner Sammlung bereits in den siebziger Jahren, auf einer Reise durch Spanien, mit geborgtem Geld. Heute besitzt er etwa 2000 Rahmen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert - geschnitzt aus Obsthölzern, Ebenholz oder Palisander, mit Gold, Silber oder Bronze, auch Schildpatt und Perlmutt belegt, marmoriert, punziert oder farbig bemalt, verströmen sie warm schimmernde Patina. Das Spitzenmaterial aus Renaissance, Klassizismus, Barock, Rokoko und Biedermeier wird naturgemäß knapp, aber das Interesse daran wächst.

Vorbei sind die Zeiten der sechziger und achtziger Jahre des 20.

Jahrhunderts, als Museen dem Zeitgeist folgten und meinten, ein Werk müsse aus sich heraus sprechen. Viele begannen, ihre Gemälde, wie Berggruen schreibt, auszuziehen: Die traurigen bleichen Leisten ließen plötzlich die Bilder selber ganz traurig und bleich wirken. Einem solchen Ansinnen des Metropolitan Museum im Falle einer ganzen Reihe von geschenkten Werken Paul Klees widersetzte sich der Sammler erfolgreich. In der Zusammenarbeit mit Museen wie Getty in Malibu, dem Louvre in Paris, der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München sorgen Lemke - und seine Kollegen - dafür, dass Meisterwerke ihren Glanz wieder durch Rahmen ausstrahlen können, die aus der Entstehungszeit stammen. Die Preise liegen zwischen 500 und 40 000 Euro.

Auf der diesjährigen Antiquitätenmesse Ars Nobilis in Berlin (5. bis 14.

November) sind antike Rahmen das zentrale Thema. Dazu gewann Lemke erstmals die Kollegen Paul Mitchell (London), Jean Tournadre von Gros Vallet (Paris) und Thomas Knöll (Basel). Aus seiner Schatzkammer holt Lemke dazu Rahmen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die mit Bibelzitaten aus dem Alten Testament versehen sind und einen Rückschluss auf das ursprünglich darin befindliche Sujet geben. Thomas Knöll zeigt 400 Jahre alte Gemälde, die durch in den Rahmen integrierte Vorhänge oder Schuber verschwinden konnten. Manche Künstler, wie Karl Schmidt-Rottluff, rahmten ihre Gemälde stets selbst, andere überließen das ihren Händlern - Picasso etwa, der auf seine eigene Sammlung mit Werken von Cézanne, Matisse oder Rousseau höchste Sorgfalt verwandte, was die Rahmung anging.

Zu der Zeit, als viele Museen die Kargheit dem prachtvollen Auftritt vorzogen, erwachte in den USA erstmals wieder das Bewusstsein für alte Rahmen, angestoßen 1986 am Art Institute in Chicago. Fasziniert davon, organisierte Lisa Königsberg 1997 an der New York University (NYU) eine erste große Konferenz über amerikanische Rahmen. Das fanden die Teilnehmer absolut crazy, sagt die Professorin. Von da an folgte fast jedes Jahr ein wissenschaftliches Symposion, das sich etwa mit europäischen Rahmen befasst, oder mit der Frage, warum Werke des Surrealismus und Expressionismus in älteren Rahmen so besonders gut zur Geltung kommen.

Als Königsberg, im Dekanat der NYU Beraterin für Kunstinitiativen, die von der großen Flut bedrohten Kunstschätze in Dresden zum Thema machte, lud der Generaldirektor der Dresdner Museen, Martin Roth, sie spontan ein, anlässlich des 350. Geburtstages der Dresdner Gemäldegalerie im Oktober 2005 ein Kolloquium durchzuführen. Das wird sich auf den großen Reichtum der Gemäldebestände und deren während der Überschwemmungen bis auf das Holz heruntergewaschenen Rahmen als Forschungsobjekte konzentrieren, so Lisa Königsberg. Das Thema werden wir jedoch in einen größeren Zusammenhang stellen, sozusagen als Rahmen für Perspektiven in einer globalisierten Welt.