Saarbrücken/St. Wendel

Zu manchen Sätzen muss man sich eine Umgebung vorstellen. Man denke sich also den hübsch gepflasterten Platz im Zentrum der Kleinstadt St. Wendel, saftig grüne Platanen und blumengeschmückte Altbauten. Man denke sich eine erwartungsvoll gespannte Menge, darin die jungen Leute vom Peter-Müller-Team des saarländischen Ministerpräsidenten in ihren schwarzen T-Shirts und die jungen Leute vom Nadine-Müller-Team der örtlichen CDU-Landtagskandidatin in ihren grün-gelben Trikots. Und man denke sich den engen Horizont zwischen den vielen kleinen Höhenzügen und Buckeln in dieser entlegenen Ecke des Saarlands. Vielleicht wird dann verständlich, warum kein Hohngelächter über den Redner hereinbricht, als er sagt, wo er sein Land heute sieht. Wir haben den gesamten Norden und Osten der Republik überholt, sagt der Ministerpräsident. Vor uns sind nur noch die südwestdeutschen Länder, aber die kriegen wir auch noch.

Landtagswahlkampf im Saarland. Am Wochenende wird gewählt, und Peter Müller (CDU), so viel steht fest, wird diese Wahl gewinnen. Das liegt nicht nur an Hartz IV und den Reformen und auch nicht nur am beklagenswerten Zustand der Opposition. Vor allem liegt es daran, dass es Müller gelungen ist, in seinem vom Strukturwandel schwer gebeutelten Land wieder Optimismus zu verbreiten.

Die Roten haben das Land heruntergewirtschaftet, die Schwarzen richten es wieder auf, das ist die Botschaft des Ministerpräsidenten, und darum ist das Saarland aus konservativer Sicht durchaus ein Modell für Deutschland.

Wie attraktiv dieses Modell ist, das ist eine andere Frage. Unter den westlichen Bundesländern ist das Saarland der Sozialhilfeempfänger.

Länderfinanzausgleich, Bundesergänzungszuweisungen, Sonderbundesergänzungszuweisungen (in Karlsruhe erkämpft wegen der besonderen Haushaltsnotlage des Landes) - rechnet man dazu noch die Kohlesubventionen, so kommt man auf einen Bundeszuschuss von rund tausend Euro pro Jahr für jeden Saarländer. Dass ausgerechnet dieses Land sich auf dem Weg an die Spitze der deutschen Länderkonkurrenz wähnt, hat auch mit einem bescheidenen wirtschaftlichen Erfolg zu tun, vor allem aber, und das darf man ruhig wörtlich nehmen, mit einer bemerkenswerten Autosuggestion.

Das wichtigste Industrieprodukt des Saarlands ist ein Auto, der Ford Focus.