Es war eine doppelte Premiere im westfälischen Hamm: Ohne Beteiligung eines der vier marktbeherrschenden Stromkonzerne haben erstmals fast ein Dutzend Stadtwerke vereinbart, gemeinsam ein Großkraftwerk mit 800 Megawatt Leistung zu bauen - und zwar als moderne Gas-und-Dampfturbinen-Variante (GuD).

Angesichts ständig steigender Strombezugspreise wollen die Kommunalversorger mit der Eigenstromerzeugung ihre Strombeschaffung optimieren, sagt Christian Becker, Geschäftsführer der beim Bau federführenden Trianel European Energy Trading GmbH. Prosaischer drückt es der Chef der Stadtwerke Hamm, Walter Oppermann, aus: Im Einkauf liegt der Segen. Diesen Segen streichen bislang E.on, RWE, Vattenfall und EnBW ein - zusammen kontrollieren sie über 80 Prozent der deutschen Kraftwerksleistung.

Vom GuD-Kraftwerk verspricht sich die Kommunal-Allianz niedrigere Stromerzeugungskosten. Auch die Umweltbilanz spricht für diesen Kraftwerkstyp. Gas ist vergleichsweise klimaschonend - außerdem wandeln GuD-Kraftwerke die flüchtige Energie zu mehr als 57,5 Prozent in Strom um - weit mehr als fossile Kraftwerke.

Um Stein- und Braunkohlekraftwerken diese überlegene Konkurrenz zu ersparen, hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nach einem rot-grünen Koalitionskrach in Berlin den geforderten Wirkungsgrad für die GuD-Blöcke mit 57,5 Prozent extra hoch angesetzt. Anderenfalls kommen sie nicht in den Genuss einer fünfjährigen Befreiung von der Erdgassteuer. Clements Strategie ist bislang aufgegangen: Nach wie vor läuft bundesweit kein großes GuD-Kraftwerk. Hamm könnte diese Blockade durchbrechen.