Robert Leicht - und mit ihm viele andere - kritisieren die Heuchelei aus Prinzip oder die Doppelmoral: In Deutschland würde ein strenger Embryonenschutz die Forschung verbieten, im Ausland gewonnene Erkenntnisse sollen indes auch hierzulande Anwendung finden. Immer wieder wird dann auf die inhumanen Experimente der NS-Zeit verwiesen, deren Resultate bis heute ohne schlechtes Gewissen genutzt werden. Wo aber liegt hier die Heuchelei oder Doppelmoral? Legitimieren wir etwa nachträglich die Verbrechen in den Konzentrationslagern, wenn die dort gewonnenen Therapien noch heute genutzt werden? Keineswegs. Unterstützen wir die Zerstörung frühen menschlichen Lebens, wenn wir Stammzelllinien zu Forschungszwecken importieren, die vor einem bestimmten Stichtag etabliert wurden? Wohl kaum.

Anderenfalls müsste der Umkehrschluss lauten: Alles, was irgendwo auf der Welt an umstrittener Forschung geschieht, muss auch in Deutschland eine Heimat finden, damit wir mögliche Erkenntnisse ruhigen Gewissens verwerten können.

Heuchelei ist nur dem vorzuwerfen, der aus Opportunitätsgründen eine reine Weste behalten will, heimlich, still und leise aber darauf hofft, dass andere sich für ihn die Hände schmutzig machen. Deutschland sollte daher im internationalen Diskurs eindeutig Stellung beziehen und sich bei den Vereinten Nationen für ein Klonverbot einsetzen.

Zwei Kernfragen bestimmen mit ihren vielen Gemeinsamkeiten und zahlreichen Unterschieden die gegenwärtige Diskussion. Auf der einen Seite die Frage nach dem Atomkern und dessen Nutzung zur Energiegewinnung. Auf der anderen Seite die Frage nach dem menschlichen Zellkern und dessen Nutzung in der Biotechnologie. Bis heute wirft die Nutzung der Kernenergie Probleme auf, die bei ihrer Einführung nicht absehbar waren und auch in Zukunft unkalkulierbar bleiben werden. Diese Feststellung verliert nicht dadurch ihre Bedeutung, dass einige Staaten vermehrt bei der Lösung ihrer Energieprobleme auf den Bau neuer Reaktoren setzen. In gleicher Weise werden die ethischen Probleme im Umgang mit dem Zellkern nicht dadurch gelöst, dass nun einige Forschungseinrichtungen mit dem Klonen beginnen wollen.

DIPL. THEOL. UNIV. SEBASTIAN SCHOKNECHT UNIVERSITÄT WÜRZBURG

Dan Brocks Position ist so provokant wie realitätsfern. Welchen Sinn macht es, eine Argumentation unter der Prämisse aufzubauen, reproduktives Klonen sei sicher? Klonen ist nicht sicher, und der Weg zu einer beherrschbaren Klontechnik führt ausschließlich über Versuch und Irrtum. Es wäre, nur um wissenschaftlich zu bleiben, schlechte Praxis, die Erkenntnisse eines Schaf-Experiments gleichfalls auf den Menschen zu übertragen. Es ist somit nicht möglich, ein sicheres Klon-Experiment am Menschen durchzuführen, ohne dem Klon die medizinischen Risiken zuzumuten, die selbst Brock für ethisch inakzeptabel hält. Man muss zu dem Schluss kommen, dass das Risiko allein sehr wohl ein dauerhaftes Verbot des reproduktiven Klonens rechtfertigt.

Brock entlässt das Argument der Menschenwürde mit dem Einwand, der deskriptive Gehalt des Begriffs Würde sei eher schwach. Es erscheint mir arrogant und wiederum realitätsfern, sich diesem Argument mit der Begründung zu entziehen, hier fehle es an ethischem Unterbau. Das Thema Gentechnik bereitet gerade deshalb besondere Schwierigkeiten, weil bis vor wenigen Jahren der Mensch keinen Einfluss auf das Erbgut nehmen konnte. Die Frage nach Gut und Böse stellte sich nicht. Mittlerweile liefert die Biomedizin reihenweise neue Techniken, für die ethisch-moralische Grundsätze im Akkord nachgeliefert werden müssten. Die zügigere Fertigstellung des ethischen Rahmens zu fordern ist hier schlicht unangebracht.