Nominell ist das Album Ägypten gewidmet, dem antiken Land der Pharaonen. Doch auf dem Cover prangt in goldenen Lettern der arabische Schriftzug für Allah. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass es im Gewand einer Reise um Religion geht - und eine Überraschung für die europäischen Fans von Youssou N'Dour. Bisher war er, einer der wenigen internationalen Stars der so genannten Weltmusik, eher für profanen Pop mit afrikanischem Einschlag bekannt. Jetzt werden die Unwissenden darüber belehrt, dass der Senegal ein tief islamisch geprägtes Land ist. N'Dour ist allerdings kein Konvertit vom Schlag eines Cat Stevens und auch kein wiedergeborener Muslim. Wer das OEuvre des Senegalesen näher kennt, der konnte aus seinen häufigen moralischen Appellen schon immer religiöse Untertöne heraushören.

Der Islam im Senegal basiert auf lokalen Sufi-Bruderschaften, deren Gründungsväter bis heute wie Heilige verehrt werden: Cheikh Amadou Bamba etwa, der auch eine Identifikationsfigur im antikolonialen Widerstand war, oder sein Nachfolger Ibra Fall, der den Bau der heiligen Stadt Touba veranlasste, heute die wichtigste Pilgerstätte des Landes. Im Westen ist man es gewohnt, Islam und populäre Musik als Antagonismen zu sehen, so wie es beim Rai in Algerien der Fall ist. In Westafrika herrscht dagegen eine eher symbiotische Beziehung vor, und Loblieder auf islamische Heilige und örtliche Würdenträger gehören dort zum musikalischen Alltag. Ihnen singt nun Youssou N'Dour ein Ständchen. Mit Egypt (Nonesuch/ Warner) zieht es den 45-Jährigen aber auch musikalisch zu jener Quelle, von der die berühmten Ordensgründer seines Landes einst ihre Inspiration bezogen: zurück zum Nil, der Wiege des Wissens und der Erleuchtung.

Das Ergebnis ist ein Clash der Kulturen, den man so noch nicht gehört hat.

Statt der kubanischen Tanzrhythmen, mit denen Youssou N'Dour seine Karriere begann, oder den trockenen Mbalax-Beats der westafrikanischen Tama-Handtrommel herrscht auf Egypt innere Einkehr vor. Da trifft afrikanische Percussion auf die schwülstigen Geigen des ägyptischen Orchesters von Fathy Salama, und über allem schwebt der afrikanische Gospel des Sängers, von dessen Stimme sein Mentor Peter Gabriel einst sagte, sie klinge wie flüssiges Silber.

Natürlich ist Egypt auch als Kommentar zum 11. September gedacht. Allerdings formuliert Youssou N'Dour keine Kritik an religiösen Fundamentalismen oder dem Missbrauch der Religion zu politischen Zwecken. Er beschränkt sich darauf, die senegalesische Seite des Islams zu präsentieren: eine Religion mit musikalischem Antlitz.