Afrikaner treiben in löchrigen Booten über das Mittelmeer auf Europa zu. Weißrussen und Ukrainer hetzen bei Nacht und Nebel durch tschechische Wälder und über die deutsche Grenze. Das muss und kann verhindert werden!

Mit dieser Vorstellung nähern sich die Herren Otto Schily (SPD), Günther Beckstein (CSU) und Peter Müller (CDU) offenbar dem Problem der Migration. Diesen Eindruck bekommt man bei ihren jüngsten Äußerungen sowie bei der Analyse des Ende Juni beschlossenen Zuwanderungsgesetzes.

Mit der Realität haben diese Vorstellungen wenig zu tun.

Denn der unerlaubte Aufenthalt in der Bundesrepublik ist längst Normalität. Hunderttausende Migranten arbeiten illegal in deutschen Haushalten, in Gaststätten, auf Baustellen. Sie und ihre Familien in Entwicklungsländern profitieren davon ebenso wie ihre deutschen Arbeitgeber.

Migrationsforschern, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und der unabhängigen Kommission Zuwanderung ist das seit langem bekannt – die Politik aber will es offenbar nicht wahrhaben. Im Zuwanderungsgesetz wird darauf jedenfalls mit keinem Wort eingegangen.

Stattdessen ruft Innenminister Otto Schily nach "EU-Außenstellen" in Nordafrika, sprich nach Auffanglagern für afrikanische Flüchtlinge. Eine Aktion, die Millionen Euro kosten dürfte, aber die illegale Zuwanderung nach Europa kaum mindern würde.

Denn immer weniger Migranten gehen den gefährlichen Weg über die Grüne oder Blaue Grenze. Zunehmend wählen sie Eintrittstore, die sich im Zeitalter der Globalisierung kaum versperren lassen. Mit Hilfe falscher Papiere tarnen sie sich als Geschäftsleute, Touristen oder Studenten. Selbst Schilys Pressesprecherin räumt im Rheinischen Merkur ein, "dass trotz intensivierter grenzübergreifender Kooperation und mehr Geld für Personal und technische Ausrüstung eine lückenlose Kontrolle unmöglich ist".

Es ist also höchste Zeit, illegale Migration als Tatsache zu akzeptieren und mit ihr konstruktiv umzugehen. Fünf wichtige Vorschläge liegen seit Jahren auf dem Tisch.