Es gibt Orte, an denen macht man sich keine Hoffnungen mehr. Zum Beispiel Ivenack in Mecklenburg-Vorpommern. Ein paar Häuser stehen um eine ehemalige LPG, die einmal ein Gutshof war. Von leeren Baracken blättert die Farbe, Pflüge und Traktorenteile rosten im Gras. Die Straßen sind leer, hinter den Gardinen flimmert schon mittags bläuliches Fernsehlicht. Es gibt hier im Landkreis Demmin noch zwei große Arbeitgeber, Pfanni und das Netto-Zentrallager, damit hat es sich. Offiziell knapp 30 Prozent Arbeitslose, sagen die Leute hier, heiße in Wirklichkeit: Mehr als jeder Zweite hat keinen festen Job, lebt von Arbeitsamt, Sozialamt, Schwarzarbeit.

Bis vor ein paar Wochen warteten sie darauf, dass etwas passiert. Dass jemand die Erstarrung löst.

Dann kam Hartz IV – und die Angst, dass sich die Spirale nach unten sogar noch schneller dreht, dass dann alle noch weniger haben. Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erwarten die wenigsten.

Auch nicht Rico von Ziehlberg, 29, gelernter Bautischler, arbeitslos und Eigentümer eines Hauses mit 2300 Quadratmeter Grund, wohl einigen Quadratmetern zu viel für das neue Arbeitslosengeld II, was den Druck erhöht, wieder ein gesichertes Auskommen zu finden.

Aber jetzt ist von Ziehlberg doch ziemlich verwundert: Da sitzt ihm im ehemaligen LPG-Gutsaufseherhaus, in dem kahlwandigen Raum mit den angeschrammten Tischen und Stühlen, dieser Arbeitsvermittler aus Bayern gegenüber, von dem er schon einiges gehört hat. Und der fragt ihn allen Ernstes: "Wenn Sie alles auf der Welt machen könnten, was Sie wollen: Was wollen Sie in fünf Jahren machen? Was wäre Ihr Traumjob?"

Von Ziehlberg, markantes Profil, kräftige Hände, einer, der lieber zupackt als herumredet, hält überrascht inne. Er dachte, er kenne die Arbeitsvermittler. Die von der Agentur für Arbeit, die sagen, es gebe keine Stelle für ihn. Und die privaten, neulich war er bei einem, der ihn nach seiner Ausbildung fragte, "Bautischler" in den Computer tippte und versprach, sich zu melden. Er meldete sich nicht. Aber jetzt ist da dieser Heinle, und der lächelt ihn unter dunklen buschigen Augenbrauen so überzeugt an, als könne er wirklich Wünsche erfüllen.

Arbeitslose malen Bilder von sich selbst in ihrem Wunschberuf

Auf den ersten Blick hat Thomas Heinle, 41, drahtig, dynamisch, leuchtende Augen, strahlendes Lächeln, das wenige Haar sehr kurz, tatsächlich ein wenig von einem Guru. Der studierte Pädagoge und Betriebswirtschaftler, der sich selbst "Vermittlungscoach" nennt, hat ganz eigene Methoden bei der Vermittlung von Arbeitslosen. Er lässt sie zum Beispiel Bilder malen: von sich selbst in ihrem Wunschberuf. Jeder könne seine Stärken erkennen, jeder seine Ideen umsetzen, ist Heinles Credo: "Geht nicht gibt’s nicht!" Um so etwas zu hören, zahlen Manager in Motivationsseminaren viel Geld.