SANIERTES BAUERNHAUS in Groß Leppin bei Glöwen in der Prignitz

ehemalige Stellmacherei, ökologisch saniert, mehrere Kachelöfen, Solarheizung für Warmwasser, Backhaus und ausbaufähige Stallungen

GRUNDSTÜCK 830 qm

WOHNFLÄCHE 180 qm

zwei Bäder, zwei Küchen, sieben Zimmer mit Holzdielen und Fliesen

BAUJAHR um 1900

KAUFPREIS VB 145.000 Euro

 

Der Traum: ein Bauernhaus. Eins zum Abschalten von der großen Stadt, eins zum Wochenende und für die Ferien. Und vielleicht später, wenn das Kind aus dem Haus ist und die Rente naht, wer weiß, vielleicht als Alterssitz. Etwas vage ist die Fantasie noch, konkret aber das Angebot von Makler Noll. "Ökologisch saniertes Bauernhaus" in Groß Leppin, was in der Prignitz liegt, auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Als wir davor standen, bekam der Traum ein Bild. Nur die Realität? Sagen wir so: Hinter dem Haus steht eine alte Kirche, steht hier schon seit 1200 irgendwas, ist also steinalt und auf massigen Feldsteinen gebaut. Wahrscheinlich, weil man viel Standfestigkeit braucht hier in Brandenburg, besonders jetzt, ein paar Jahre nach der Wende und ein paar Wochen vor der PDS-Renaissance.

Kein Mensch ist auf der Straße, kein Arbeitsgeräusch belebt die Stille. Auf der Herfahrt, entlang der B5 durch die Prignitz, waren vereinzelte Traktoren zu sehen gewesen, auf riesigen, unendlichen Feldern. Störche gab es, zwei Paare, also vier Stück, dazu Graureiher, ein Stück, Rehe, Minimum zwölf, Feldhasen, eindeutig keine Kaninchen, Raben, vielleicht waren es nur große Krähen, Milane, zwei, drei, möglicherweise war ein Falke darunter, was weiß ein Städter schon von Raubvögeln. Und das ist es doch, was er sucht: Ruhe, Abgeschiedenheit, Natur, und wenn’s Haus ökologisch korrekt ist, ist es perfekt.

Der Immobilienmarkt im Osten ist dennoch zusammengebrochen, klagt der Eigentümerverband Haus & Grund. Die, die immer schon hier waren, wollen weg, keine Arbeit, keine Aussicht, Dörfer, Städte und Menschen veröden. Die anderen, die aus Berlin und Hamburg, die sich nach der Wende auf alte, sanierungsbedürftige Gehöfte stürzten, wie weiland auf die Toskana, die kommen nicht mehr. Und sagen nicht die Ostdeutschen selber, dass die Brandenburger im Vergleich zu den Sachsen und Thüringern eh nur rund um die Uhr jammern und auf den Staat schimpfen, der ihnen nichts mehr schenkt?

Neben dem Haus und vor dem Kirchhof hat die freiwillige Feuerwehr ihr Gebäude. Das zu wissen, kann wichtig werden, nicht nur im Brandfall. Es gibt Dörfer, in denen die freiwillige Feuerwehr zwar kaum einen Löschauftrag hat, aber den letzten Rest von Sozialstruktur bildet. Wo es keine Kneipe mehr gibt und keinen Lebensmittelladen, wo die Kirche nur alle paar Wochen die Tore öffnet für den Gottesdienst und kein Wartehäuschen des Landbusses erstknutschenden Jugendlichen Schutz bietet, stiftet die Feuerwehr so etwas wie Gemeinschaftsgefühl. Man muss dann, auch wenn es einem schaudert, als Neudörfler schnell Mitglied werden, wenn man die integrative Kraft nicht verstreichen lassen will. "Da ist der Gemeindesaal drin", sagt Petra Bienert, die aus dem "ökologisch sanierten Bauernhaus" getreten ist, "Skatabende finden dort statt und die Kuchenrunde, wenn Heidi das Dorf zum Probieren lädt." Petra Bienert hat den Hof 1995 zusammen mit ihrem Mann gekauft, für 190000 Mark, das war eigentlich zu viel, sie aber waren verliebt in das Haus."

Die Bienerts sind aus Berlin, Westberlin, Frau Bienert ist Aerobic-Lehrerin, und einmal hat sie im Dorf für die Jugendlichen einen Aerobic-Kurs angeboten. Das wurde ihr schnell zu langweilig, weil die Groß Leppiner körperlich dann doch nicht so gut drauf waren. Nebenbei beschäftigt sie sich mit der Diskursethik, die Magisterarbeit in Philosophie ist geschrieben, auf dem Tisch im Wintergarten mit Blick auf den Innenhof liegen ein paar Bände aus der Wissenschafts-Taschenbuchreihe des Suhrkamp-Verlages, "Moralisches Urteil und Handeln" ist das Thema, das Frau Bienert zurzeit beschäftigt.

Die Bienerts wohnen schon lange nicht mehr hier, im Grunde genommen haben sie nie hier gewohnt, sondern den Hof nur als Landenklave am Wochenende und im Urlaub genutzt, in den vergangenen acht Jahren aber hat ihre Mutter in Groß Leppin gelebt. Die ist jetzt 84 Jahre alt. Sie schafft die Arbeit nicht mehr. Das Haus soll verkauft werden. Der Makler Noll und seine Frau sind Wessis, die beiden haben vor mehr als zehn Jahren rübergemacht, aber haben sich fest niedergelassen in Mankmuß. Heute ist Frau Noll Bürgermeisterin der kleinen Gemeinde.

Möglicherweise ist der Osten mit Wochenendbewohnern eines Bauernhofes noch nicht kompatibel. Die Solarzellen auf dem Dach und die Erdwärmepumpe sechzig Meter tief in der Erde, die die Bienerts gebaut haben, waren im Dorf gewöhnungsbedürftig. Aber was ein Hof braucht, hat’s trotzdem alles. Ein Haupthaus, das war nach dem Baujahr um 1900 eine Stellmacherei, da wurden Wagen hergestellt, ein Nebengebäude, das waren die Stallungen, einen kleinen Garten, einen mit Kopfsteinen gepflasterten Innenhof, ein kleines Nebengebäude, da ist der Backofen drin – der Städter braucht nicht viel Fantasie, um ein bereits intaktes Refugium gegen den Alltagsstress zu entdecken. Über den Stallungen befindet sich die Scheune. Da noch eine Gaube eingebaut, Eichendielen auf den Boden und in der Mitte des etwa 100 Quadratmeter großen Raumes einen offenen Kamin. Wer mag und kann, kann sich ja noch einen Flügel in die Ecke stellen. Von der Gaube aus kann man dann auf Felder schauen, und einmal im Jahr, so kurz vor der Erde, sieht man sogar blühende Landschaften.

HELMUT SCHÜMANN