SACHBUCH Nahezu jedermann kannte umgehend die Stalinallee und die Dramen, die sie provozierte - die zum Staatsstil erhobene Nationale Tradition ihrer Architektur drängte zugleich alles in den Hintergrund, was im Osten Berlins unter dem Rubrum der Nachkriegsmoderne zustande gebracht worden ist, Bauten von oft eindrucksvoller Klarheit und Menschenfreundlichkeit. Diese Ostmoderne ereignete sich in zwei Phasen. Die eine reichte vom Kriegsende bis zur Stalinallee in den fünfziger Jahren, die zweite lebte kurioserweise mit ihrem zweiten Teil auf, darunter das wunderbare Kosmos-Kino und das soeben restaurierte Haus des Lehrers am Alexanderplatz. Etliche solcher Bauten sind gefährdet und schon deshalb aller Aufmerksamkeit wert. Sie werden in diesem wohlfeilen Buch vor Augen geführt und prägnant erläutert: einem überraschenden Kompendium einer nahezu unbekannten Baukultur.

Andreas Butter/Ulrich Hartung: Ostmoderne - Architektur in Berlin 1945-1965

hrsg. vom Deutschen Werkbund Berlin e. V. - jovis Verlag, Berlin 2004 - 128 S., 22,- e

SACHBUCH Die große Kunst im Umgang mit alten Gebäuden, die für neuen Gebrauch ertüchtigt werden sollen, ist, das Überkommene mit Respekt zu behandeln, bisweilen präzise zu restaurieren - und es zugleich beherzt umzubauen, die Zeichen der Gegenwart dabei selbstbewusst hervorzukehren. Inzwischen ist das beinahe schon zur Hauptbeschäftigung vieler Architekten geworden. Aber immer noch glauben Bauherren, derlei mit der linken Hand erledigen zu können - statt für das Bauen im Bestand nach architektonischen Könnern Ausschau zu halten. Sie dazu zu ermutigen, ist nicht zuletzt diese erstaunliche, aus einem Wettbewerb der Reiners-Stiftung hervorgegangene, klug illustrierte Beispielsammlung entstanden - anregend für alle, die ihre gebaute Umwelt mit neugierigen Augen zu betrachten lieben, für künftige Bauherren sowieso.

Holger Reiners: Umbauen

Die 35 besten Lösungen für Umnutzung, Erweiterung, Sanierung - Edition Reiners Stiftung/DVA, München 2004 - 200 S., 69,90 e