Es ist doch immer dasselbe. Entweder wird bei einem Festival über zu wenige oder über zu viele Stars gezetert. Marco Müller, der neue Leiter des Filmfestivals von Venedig, hat versucht, alles richtig zu machen. Die Kunst in den Wettbewerb, Brot und Spiele rund ums Programm.

 Zu Beginn die gigantische Strandparty mit illuminierten Plexiglastischen und den Darstellern von Steven Spielbergs Film The Terminal. Galaempfang im Dogenpalast aus Anlass von Al Pacinos Auftritt in Der Kaufmann von Venedig, Partys und Dönekes mit Denzel Washington, John Travolta, Meryl Streep. Aber die Tageszeitung Corriere della Sera diagnostizierte mürrisch eine "Überdosis der Mondänitäten". Nach den komplizierten Regeln der Festivaldialektik könnte die große Event-Begeisterung tatsächlich umschlagen in antiamerikanisches Kommerzialisierungsgezeter.

Ausgerechnet das Mega-Ereignis von Venedig, die Freiluftaufführung des Animationsfilms Shark Tale, sorgt im Vorfeld für Polemik gegen Hollywood. Die Dreamworks-Produktion, eine Mafia-Geschichte unter Haien, soll am 10. September vor 4000 Zuschauern auf dem Markusplatz gezeigt werden – in Anwesenheit der Synchronsprecher Will Smith, Angelina Jolie und Robert de Niro (Martin Scorsese, der ebenfalls einen Fisch spricht, hat leider abgesagt). Ein rebellisches Grüppchen venezianischer Geschäftsleute will jedoch nicht einsehen, weshalb Läden, Restaurants und Cafés am Markusplatz an diesem Abend früher schließen sollen, gehe es doch nicht um ein Kulturereignis, sondern, so ein Anwalt, um die "privaten Profite eines amerikanischen Unternehmens". Während sich die alteingesessenen Cafés bereits auf großzügige Entschädigungssummen einließen, bleiben die Postkarten- und Andenkenstände störrisch. David gegen Goliath? Die Besitzer der beiden mobilen Taubenfutterbüdchen werden ihre Entscheidung in den nächsten Tagen bekannt geben.

Katja Nicodemus