DIE ZEIT:Prinzessin Caroline von Monaco hat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durchgesetzt, dass Fotos, die sie beim Einkaufen zeigen, nicht veröffentlicht werden dürfen. Mehr als 60 Chefredakteure appellieren an den Bundeskanzler, dagegen Einspruch zu erheben. Ist die Freiheit der Presse bedroht?

Christian Schertz: Meines Erachtens nicht wirklich. In Frankreich ist es seit je verboten, Bilder von Prominenten in ihrem privaten Alltag zu veröffentlichen. In England gibt es hingegen fast keine Tabuzonen, Deutschland liegt irgendwo dazwischen. Die hiesigen Medien sorgen also mit dafür, dass es überhaupt einen Markt für Fotos von der Prinzessin beim Einkaufen gibt. Verboten sollen nur Paparazzi-Bilder von Prominenten sein, die keinen weitergehenden Informationswert enthalten, als dass ihr privater Alltag abgebildet wird. Sind mit dem Bild hingegen legitime Informationsinteressen der Öffentlichkeit berührt, darf man es wie bisher veröffentlichen.

ZEIT: Fotos vom Einkaufen, das klingt nicht sehr bedrohlich.

Schertz: Der Kollege Prinz, der die Prinzessin vertrat, argumentierte für mich nachvollziehbar, dass durch die Nachfrage nach entsprechendem Fotomaterial aus Deutschland seine Mandantin unerträglichen Paparazzi-Jagden ausgesetzt gewesen sei.

ZEIT: Wie Ihre Mandantin Minu Barati und deren Lebensgefährte, der Außenminister Joschka Fischer, während eines Urlaubs im Frühjahr?

Schertz: Zu laufenden Verfahren äußere ich mich nicht. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sagt jetzt: Beim Einkaufen oder Radfahren sind Fotos in Zukunft nicht mehr per se erlaubt, da die genannten Verfolgungsjagden zu erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen.

ZEIT: Nehmen wir an, der frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping sei dabei fotografiert worden, wie er mit seinem PR-Berater Moritz Hunzinger einkaufen gewesen ist. Für 55000 Mark. Nicht zuletzt über dieses Ereignis ist der Minister gestürzt. Folgt man dem Straßburger Urteil, hätte ein Foto davon nicht veröffentlicht werden dürfen. Das tötet den investigativen Journalismus.