Liverpool ist Europas Kulturhauptstadt 2008. Davon künden stolze Sticker auf der Tate Gallery, dem Beatles-Museum und gar bei McDonald's. Doch der City Council will die Innenstadt in den nächsten vier Jahren noch salonfähiger machen und hat für 750 Millionen Pfund, rund 1,1 Milliarden Euro, ein Stadtentwicklungsprojekt gestartet. Erstes Ziel, besser: erstes Opfer ist das alternative Einkaufszentrum Quiggins in der School Lane - es soll abgerissen werden. Seit seiner Gründung 1986 durch die Brüder Peter und Jimmy Tierney hat sich das Quiggins Centre zu einem festen Teil der Liverpooler Subkultur entwickelt. Auf den drei flohmarktähnlichen Etagen des bunt bemalten Altbaus finden sich 45 urige Läden nebst Café, in denen alles von Platten über Szeneoutfit und Antiquitäten bis hin zu Geschenken und Zubehör für Fancy-Dress-Partys feilgeboten wird. Das Centre engagiert sich aber auch für alternative Kunst und stellte etwa Werke von Jamie Reid aus, der mit seinen Covers für die Platten der Sex Pistols bekannt wurde. Die Protestaktion der Quiggins-Anhänger gegen den Schildbürgerstreich des City Councils läuft unter dem Motto: Save R Culture. So weit ist es mit dem prestigeträchtigen und wild umkämpften Titel Kulturhauptstadt Europas also inzwischen gekommen: Jetzt muss man schon die Kultur vor ihm in Sicherheit bringen.