Sie hat viel erreicht in ihrem Leben, aber ihren großen Traum, Forscherin zu werden, musste sie aufgeben, als die Nazis sie wegen ihres Namens, auf den sie sehr stolz war, von der Universität verwiesen. Dabei konnte sie sogar nachweisen, dass sie nach den damaligen Gesetzen nicht zu den Angeprangerten gehörte. Aber ihr Urgroßvater hatte als Reichstagspräsident, der später geadelt wurde, seinen jüdischen Namen zu bekannt gemacht. Und die protestantischen Frauen der Familie zählten nicht in den Augen der Nationalsozialisten.

Sie war befreundet mit Otto Hahn. Ihre Lehrer waren Albert Einstein, Max Planck, Max von Laue und Walter Nernst. Sie kannte die ganze Elite, die Deutschland in den Natur- wissenschaften groß gemacht hatte. Aber viele von diesen Menschen mussten ins Exil gehen.

Sie selbst hatte promoviert und wollte sich habilitieren, sie war Vorlesungsassistentin und hatte mit eigenen wissenschaftlichen Arbeiten begonnen. Ihre Enttäuschung über den Rückschlag war so groß, dass sie daran dachte, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber ihr Verstand und ihre praktische Veranlagung ließen sie andere Wege gehen: Sie zog nach Oxford. Durch ihre Schulzeit, Hauswirtschaftsschule und ein humanistisches Abitur – die Eltern hatten den Kindern ihre Entscheidungsfreiheit gelassen – war sie für vieles gewappnet.

Damals wurden viele wissenschaftliche Arbeiten vom Englischen ins Deutsche übersetzt und umgekehrt. Sie arbeitete für Fachzeitschriften und Sammelbände. Und sie war stolz darauf, dass die alten Freunde noch zu ihr hielten, so durfte sie die Vorträge ins Englische übersetzen, die Max von Laue in Princeton hielt. Finanziell ging es ihrer Familie nicht schlecht: Der Vater als Bankier konnte sein Vermögen behalten und wurde in seinem Ruhestand nicht belästigt. Aber das "Juden raus!", mit roter Farbe an sein Haus geschmiert, konnte er nicht verwinden.

Nach Ausbruch des Krieges suchte sie sich eine Arbeit bei einem Patentanwalt, dessen Frau auch Physikerin war. Zuerst war sie Mitarbeiterin, später leitete sie, nach Deutschland zurückgekehrt, das Berliner Büro.

Als ihr Bruder und seine Frau bei einem Bombenangriff umkamen, übernahm sie die Vormundschaft für deren Kinder. Sie kümmerte sich um sie und hatte nun eine kleine Familie, zu der nach dem Tod des Vaters auch ihre Mutter gehörte. Als die Russen näher kamen, schickte sie ihre Familie aufs Land. Doch als die amerikanischen Besatzer den Russen Mecklenburg überließen, brachte sie ihre Mutter und die Pflegekinder nach Lübeck, wo sie sehr kümmerlich untergebracht waren und hungern mussten.

In dem Nachkriegswirrwarr versuchte sie, sich erneut an die Technische Universität zu binden. Es war schwierig, aber sie schaffte es sogar, sich zu habilitieren. Man bot ihr eine Oberingenieur-Stelle an der TU an. Im Jahr darauf fuhr sie für ein Jahr nach Oxford, danach bekam sie die Ernennung zur Privatdozentin. Sie sah ein, dass sie die 13 verlorenen Jahre in der Forschung nicht einholen konnte, darum konzentrierte sie sich auf den Aufbau des Hochschulwesens in Deutschland.