Den Ablass assoziiert man immer mit dem tiefsten Mittelalter – eine Art "Kuhhandel mit Gott", der von Luther angeprangert wurde. Auch wenn es heute keine listigen Pfaffen mehr gibt, die dem Volk die Qualen des Fegefeuers drastisch schildern und dann einen Ablassbrief zur Vermeidung der Pein verkaufen: Am Prinzip des Ablasses hält die katholische Kirche weiter fest. Das hat zuletzt Papst Paul VI. in der Apostolischen Konstitution Indulgentiarum doctrina im Jahr 1967 bekräftigt, auch Johannes Paul II. hat dieses Instrument eingesetzt. So konnten Gläubige im Heiligen Jahr 2000 einen vollständigen Sündenablass erlangen.

Ablass darf man nicht verwechseln mit der Vergebung der Sünden, die nur Gott gewähren kann. Aber auch der Sünder, dem vergeben wurde und der tätige Reue gezeigt hat, muss nach katholischem Glauben noch für seine Taten im Fegefeuer büßen. Dieser Strafe kann man entgehen – auch heute noch durch Geldspenden an karitative Organisationen, durch soziales Engagement, Pilgerfahrten oder Teilnahme an besonderen Gottesdiensten. Der Ablass ist also nicht "heilsnotwendig", wie Paul VI. sagte, aber er kann das Leben nach dem Tod kolossal erleichtern. Eine "Preisliste" für Sünder gibt es allerdings nicht. Eine gute Gelegenheit ist etwa der österliche Urbi-et-orbi-Segen des Papstes. Die Teilnahme kann zum Totalablass führen und ist auch per Radio oder Fernsehen möglich. Christoph Drösser

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