Vor Jahren sollte ich eine Geschichte übers Rauchen schreiben und wurde zu einem Nikotinforscherkongress nach San Diego geschickt. Auf dem Kongress habe ich einen Erfinder kennen gelernt. Er war ein älterer Herr und starker Raucher. Der Erfinder hatte einen Helm konstruiert, der ähnlich aussah wie die Helme der Marsianer in dem Film Mars Attacks. Der Helm ließ Luft hinein, aber keinen Rauch hinaus. Er war hundertprozentig dicht. Der ältere Herr hat, mit dem Helm auf dem Kopf, eine Zigarette geraucht, mitten auf dem Kongress, umgeben von fanatischen Nichtrauchern. Es gab eine hebelartige Vorrichtung, mit der man die Zigarette aus dem Mund nehmen, abaschen und halten konnte, denn man will eine Zigarette ja nicht ständig im Mundwinkel balancieren, und mit den Händen kam man nicht an sie heran. "Es ist nur schlecht, wenn man sich an der Nase kratzen will", sagte der Erfinder. "Da muss man sich beherrschen, bis die Zigarette fertig geraucht ist."

Die Erfindung war unpraktisch, aber funktionierte. Das Raucherproblem könnte gelöst sein. Jedoch: Der Helm würde gesellschaftlich nicht akzeptiert werden, das zeichnete sich damals schon ab. Der Erfinder erzählte: "Wenn ich in einem Lokal meinen Helm aufsetze und losrauche, kommt sofort die Bedienung gerannt und sagt, stopp, Sir, hier ist Rauchen verboten. Wenn ich dann antworte, dieser Helm ist rauch- und feuerdicht, riechen Sie, fassen Sie an, keine Belästigung, null Gefahr – das akzeptieren sie nicht. In Flugzeugen ist es genauso. Ich frage die Stewardess: Stört Sie Rauch, oder stört Sie lediglich der Anblick einer Zigarette? Seien Sie doch vernünftig, Kindchen! Aber diese Leute lassen nicht mit sich diskutieren."

In einer Kolumne hatte ich mal geschrieben, dass man Plastikmilchtöpfchen in Cafés fast nie aufkriegt, ohne dass es spritzt. Das heißt, man könnte es schaffen, aber man muss sich dabei in einer Weise konzentrieren, die einem Milchtöpfchen nicht zukommt. Unter den Dingen des Lebens, mit denen eine längere intellektuelle Auseinandersetzung lohnt, steht das Milchtöpfchen eher unten. Daraufhin bekam ich Post von einem anderen Erfinder. Er hat einen Plastikmilchtöpfchenöffner konstruiert, garantiert spritzfrei, und übersandte ein Dutzend Prototypen. Ich habe sie ausprobiert. Sie funktionieren. Das Problem ist, sie sind ziemlich sperrig. Sie sind etwa so groß wie das Milchtöpfchen selber. Sie beulen die Taschen aus. Sie provozieren Mitmenschen zu Fragen. Im Grunde sollte man ständig einen Milchtöpfchenöffner bei sich führen, gewiss, dies aber überfordert den Menschen. Manchmal zieht der Mensch ein einfaches Problem seiner komplizierten Lösung vor. Falls Sie das jetzt als einen versteckten Kommentar zu Hartz IV, Ich-AG, Riester-Rente und diesem ganzen Zeug verstehen, kann ich nichts dagegen tun.

Ich habe auch einen Fernsehbericht gesehen über einen Pfarrer, der Strandgottesdienste abhält, um neue Schichten für den Glauben zu gewinnen. Die Helferinnen tragen Bikinis. Das mit den neuen Schichten funktioniert, es kommen jede Menge Typen. Falls ich in nächster Zeit Gott begegne, werde ich ihn als Erstes bitten, diesen seinen Priester in einen Kakadu zu verwandeln.

* Hören Sie diesen Artikel unter www.zeit.de/audio