Warum stehen entlang der Lake Avenue bloß so viele Werbeschilder für Wassersprinkler? Die Vorgärten hier sind doch längst perfekt. Vor jedem Grundstück ist der Rasen sattgrün und penibel gemäht, Stars and Stripes flattern über den Hauseingängen, und in mancher Garageneinfahrt stehen gleich drei Autos. Die Gegend zeugt vom Wohlstand ihrer Bewohner: geräumige Einfamilienhäuser und kleine Villen, umgeben von Bäumen und Parks, hier und da sieht man eine Südstaatenveranda, einen viktorianischen Erker oder ein Sonnenverdeck im Stil italienischer Eiscafés.

Der 15000-Seelen-Ort Clark in New Jersey hat einen kleinen Boom hinter sich. Wie in fast allen Vorortsiedlungen der Umgebung haben sich die Hauspreise in den vergangenen vier Jahren nahezu verdoppelt. "Unter 250000 Dollar kriegen Sie gar nichts mehr", sagt Ron Puorro, ein örtlicher Banker. Könnte man sich einen besseren Platz vorstellen, um ein Stück des Amerikanischen Traums zu erwerben – in jener Version zumindest, wie ihn die Frauen und Männer der Mittelschicht in den USA träumen? Ein behüteter Vorort, eine Reihe angesehener Schulen, eine recht homogene Bevölkerung. 93 Prozent der Einwohner von Clark sind Weiße, 88 Prozent haben mindestens die Highschool abgeschlossen, das mittlere Haushaltseinkommen betrug bei der Volkszählung im Jahr 2000 stattliche 65000 Dollar, fast doppelt so viel wie der US-Durchschnitt.

Eine Autostunde von Clark entfernt, beschwören die Republikaner diese Woche bei ihrem Parteitag in New York die "robuste wirtschaftliche Erholung", wie George W. Bush sagt – die Wirtschaft, die "auf allen Zylindern feuert" und die trotz aller Unkenrufe "schneller wächst als die unserer wesentlichen Handelspartner". Doch Bushs demokratischer Widersacher John Kerry hat ebenfalls eine Wahlkampfformel für wirtschaftliche Fragen gefunden: "Klassenkampf". Seine Wahlstrategen haben genau jene Bürger ins Auge gefasst, deren ökonomische Ängste unter der Bush-Regierung kräftig zugenommen haben: die Mittelschicht. Leute mit Haushaltseinkommen zwischen 25000 und 100000 Dollar im Jahr. Bewohner lauschiger Vororte wie Clark.

Sie werden am 2. November die amerikanische Präsidentschaftswahl entscheiden.

Die Demokraten locken mit Subventionen und Steuersenkungen

Die Mittelschicht stellt den Großteil der Wechselwähler, um die Bush und Kerry buhlen. Gerade erst zeichnete eine Umfrage der Meinungsforscher von Democracy Corps eine düstere Selbstwahrnehmung dieser Gruppe: "Eine wachsende Mehrheit, fast 60 Prozent, sieht für die Mittelschicht knappe Jobs, stagnierende Einkommen, gekürzte Sozialleistungen und steigende Gesundheitskosten." Gezielt hat Kerry daher Subventionen und Steuererleichterungen für mittelständische Familien vorgeschlagen, darunter Abschreibungen für die Universitätsausbildung und eine Gesundheitsreform. Und siehe da: Die Umfragen verzeichnen seit Wochen einen demokratischen Vorsprung in Sachen ökonomischer Kompetenz. Zuletzt lag der Herausforderer Kerry sieben Punkte vor Präsident Bush.

Nun ist der "Middle Class Squeeze", das Ausquetschen der Mittelschichten, in etlichen Wahlkämpfen ein beliebtes Thema für Populisten gewesen. Doch diesmal haben diese Besserverdienenden tatsächlich ein Hühnchen mit dem amtierenden Präsidenten zu rupfen – große Teile von ihnen sind unter der Regierung Bush schlecht weggekommen.

Die massiven Steuersenkungen, die zum Kernstück der Bushschen Wirtschaftspolitik gerieten, überraschten viele Beobachter wegen ihrer Verteilungswirkungen. Laut einem Bericht des Congressional Budget Office ist ein Drittel dieser Steuersenkungen dem obersten Prozent innerhalb der Einkommensverteilung zugute gekommen – also Haushalten, die im Schnitt 1,2 Millionen Dollar im Jahr verdienen. Die mittleren 60 Prozent verbesserten sich dagegen nur um rund zwei Prozent.