Die Analyse von O'Neill stimmt in vielen Punkten mit dem überein, was alternative Wirtschaftswissenschaftler hier seit Jahren sagen. Dafür werden sie abwechselnd als ewig gestrige Keynesianer, linke Spinner, Sozialromantiker oder Gewerkschaftshardliner abgekanzelt. Es ist wohltuend, dass nun ausgerechnet ein Vertreter der Kapitalseite die Fehler der derzeitigen Politik klar benennt.

In einigen Punkten ist O'Neill jedoch nicht konsequent genug. Wenn er das Argument der fehlenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit für nicht stichhaltig hält, ist die Grundlage für Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich entfallen. Dito für die vielbeschworene Lohnzurückhaltung.

SIEGMAR HENKES, HANNOVER

Der bekennende Pragmatiker Jim O'Neill schlägt vor, an alle Haushalte Schecks (zu) verteilen, um die deutsche Binnennachfrage anzukurbeln, und bescheinigt deutschen Ökonomen obendrein ein absurdes Verständnis von Wirtschaft.

Ökonomisch absurd sind in Wirklichkeit Finanzgeschenke ohne Gegenleistung wie die vorgeschlagenen Konsumschecks. In einer internationalisierten Wirtschaft versickern die erhofften Nachfrageimpulse irgendwo in den globalen Finanzkreisläufen. Der Vergleich mit der viel stärker binnenwirtschaftlich vernetzten amerikanischen Wirtschaft ist irreführend, auch wegen der Konsumbesessenheit der Amerikaner. Und selbst in den USA wird die Formel Über Einkommen, Konsum und Wachstum zu Beschäftigung durch die neuere Entwicklung des Arbeitsmarktes widerlegt - um Beschäftigung aber geht es in allererster Linie in Deutschland.

DR. NIKOLAI LUTZKY, BREMEN