Die Weltbank hat unter ihrem Präsidenten James D. Wolfensohn einen fundamentalen Wechsel in der Kreditpolitik gegenüber den Entwicklungsländern vollzogen. Die bisherigen Strukturanpassungsdarlehen, die seit langem von Vertretern der Dritten Welt, aber auch von Nichtregierungsorganisationen heftig kritisiert wurden, werden durch Entwicklungskredite ersetzt. Mit diesen neuen Krediten sollen eigene Programme der Entwicklungsländer zur Armutsbekämpfung unterstützt werden, bei denen die jeweiligen Regierungen und die betroffene Bevölkerung ein stärkeres Mitspracherecht haben. Anders als bisher, verzichtet die Weltbank auf detaillierte Vorschriften für die Wirtschaftspolitik wie beispielsweise die Privatisierung von Staatsbetrieben oder eine Liberalisierung des Handels.

Wir haben gelernt, dass es nicht nur eine einzige Blaupause für Reformen gibt, die für alle Länder richtig ist, begründet Weltbank-Vize James W.

Adams den Kurswechsel. Künftig will die Weltbank nur darauf achten, dass ein allgemeiner politischer Rahmen eingehalten wird - etwa, dass die Regierungen der Schuldnerländer dem Privatsektor einen ausreichenden Spielraum geben, Rechtssicherheit gewähren sowie Umwelt- und soziale Aspekte berücksichtigen.