Freuen Sie sich! Sie werden an diesem Wochenende wieder im Stau stehen, eingekeilt zwischen Italienrückkehrern und Späturlaubern, 1000 Kilometer Blechlawine, 1000 Kilometer in der Sonne funkelnder Stahl, kein Vor und kein Zurück, nur die angefaulten Äpfel im Handschuhfach, nur die lauwarmen Colaflaschen unter dem Beifahrersitz und zum tausendsten Mal dieselbe Kassette, die Kassette mit den "Internationalen Hits 1992", die Sie bei der Hinfahrt gekauft hatten, nach dem Pipimachen an der Autobahnraststätte Parma-Este, und hinter Ihnen, da schreien die Kinder, sie wollen keine Ratespiele mehr, sie wollen jetzt Eis, aber das Eis ist geschmolzen.

Bleiben Sie jetzt bitte ganz ruhig. Genießen Sie die Stunden des Stillstands, genießen Sie das Jammern und Wehklagen Ihrer Mitfahrer. Lehnen Sie sich zurück, und erleben Sie die Rückkehr in dieses Land. Es gibt keine angemessenere Art des Zurückkommens, des Sichwiedereinfindens und des Einswerdens mit aktueller deutscher Befindlichkeit als eine Fahrt zwischen lauter Menschen, die sich gegenseitig am Weiterkommen hindern und lautstark hupen. Essen Sie Ihre weich gewordenen Schokoriegel, sehen Sie nach draußen, und betrachten Sie die deutsche Kuh, die da steht und Sie anglotzt. Glückliche Kühe haben diesen unsagbar dümmlichen Blick, sie wissen nichts vom Stau und vom Benzinpreis und von Hartz IV, sie ruhen in sich, und die Ruhe finden sie im Kauen, vielleicht sollten wir alle mehr kauen, wer mit den Kiefern mahlt, kann nicht verbissen sein.

Darum sind wir bei Olympia nicht Medaillen-Weltmeister geworden, weil die Kaugummis nicht geliefert worden sind. Im Stau finden wir zu uns selbst, nur er kann uns noch zusammenschweißen, er sollte uns allen für alle Zeiten verordnet werden, eine Kolonne von Frankfurt bis nach Sachsen, die Solidargemeinschaft stünde wieder Stoßstange an Stoßstange, ein Band führte durch Deutschland, das keiner mehr zerschneiden kann. Es wäre der Zustand größtmöglicher Gerechtigkeit, der 200-PS-Bolide ist ein Lahmer unter Lahmen, der Autokanzler Schröder kann nicht überholen, er steht an der Leitplanke und verteilt Würste. Es stimmt nicht, dass die Menschen eigentlich arbeiten wollen. Heimlich beneiden sie die Kuh am Straßenrand, die mit dem Schwanz Fliegen verscheucht und das Gras immer vor der Nase hat, bis ans Ende ihrer Tage. Finis