Es stimmt schon, der Einsatz von Oskar Lafontaine im saarländischen Wahlkampf hat der SPD nicht wirklich genutzt. Dafür war er am Wahlabend hilfreich. Der Anteil des politischen Quertreibers an der Niederlage war derart offensichtlich, dass sich die Sozialdemokraten in Saarbrücken und Berlin zumindest auf diese Erklärung schnell einigen konnten: Oskar ist schuld!

Aber wie viele Prozentpunkte gehen tatsächlich auf das Konto des egomanen Polit-Rentners? Anders gefragt: Sind die Sozialdemokraten an der Saar auf 30 Prozent gestürzt, weil die SPD in Berlin Hartz IV beschlossen hat – oder weil ihr früherer Parteichef in Leipzig dagegen demonstrierte?

Die Wahlforscher werden diese Frage abschließend kaum beantworten können, die Pointe aus sozialdemokratischer Sicht steht dennoch fest: Mit Gerhard Schröder und seiner Agenda kann die Partei zur Zeit nicht gewinnen – aber gegen ihn auch nicht. Welche Motive auch immer bei der Wahlentscheidung im Saarland eine Rolle spielten (ein beliebter Ministerpräsident, ein blasser Herausforderer), mit seiner maßlosen Kampfansage an den Kanzler hat Lafontaine diesem wider Willen einen letzten Dienst erwiesen. Lafontaine hat die Agenda-Kritiker in der SPD desavouiert; so schnell dürfte kein sozialdemokratischer Wahlkämpfer mehr versuchen, sich gegen die Regierung in Szene zu setzen.

Und welche Lehren hält das Wahlergebnis für die anderen Parteien bereit? Wenig überraschende. Die CDU hat ihre absolute Mehrheit im Landtag zwar verteidigt, in absoluten Zahlen aber Wählerstimmen verloren – ein Phänomen, das selbst die CSU bei ihrem stolzen Zwei-Drittel-Sieg in Bayern vor einem Jahr erfahren musste. Die etwas zusammenhanglose Bemerkung der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, wonach das Ergebnis im Saarland zeige, dass sich Mut in der Politik auszahle, läuft auch vor diesem Hintergrund ins Leere. Von der niedrigen Wahlbeteiligung profitierten neben der CDU wie üblich vor allem die kleinen Parteien. Die Grünen, FDP , NPD und die bislang unbekannte Familienpartei – sie alle durften sich an diesem Wahlabend als Sieger fühlen.

Dennoch: Von denen, die zur Wahl gingen, stimmten im Saarland fast 80 Prozent für eine der beiden großen Volksparteien. Gemessen an den Turbulenzen, in denen sich das Land derzeit befindet, deutet dieses Ergebnis auf vergleichsweise stabile politische Verhältnisse hin. Ein Befund, an dem auch 20.000 NPD-Stimmen vorerst nichts ändern können.