Ganz oben herrscht mit allem Pathos die Hausgöttin Clara Ziegler: Sie hängt im Treppenhaus des Deutschen Theatermuseums in München in Öl - als Medea, gemalt 1898. Ein Bild einsamer Bühnenherrlichkeit. Man sollte kurz zu Frau Ziegler emporsteigen, um zu begreifen, wie sehr die Ausstellung Theaterpaare (bis zum 24. Oktober) in den unteren Räumen mit dem Ich! Ich! Ich! des Theaters, seiner Spieler, Dichter und Regisseure aufräumt. Dort unten fällt der Mythos vom einsamen Künstler wie eine Kulisse unter der Wucht zweisamer Kreativität. Dokumentiert werden die ineinander gewachsenen Bühnenwelten des Regisseurs Christoph Marthaler und der Bühnenbildnerin Anna Viebrock. Oder das Stück, das Thomas Bernhard zum Zeichen intimer Freundschaft Minetti nannte. Die Schau widmet zwölf Künstlerpaaren je eine Minibühne mit Zimmerecke, davon jedem Partner eins der Wandstücke. Es entstehen symbiotische Räume, und man ahnt die Magnetismen und sonstigen Energiefelder in der 28-jährigen Schauspielerehe von Angelica Domröse und Hilmar Thate oder in der Arbeitsbeziehung des sich seit 30 Jahren siezenden Duos Claus Peymann/Hermann Beil, bei Vater und Sohn Bennent und im zerbrochenen Bund R.

W. Fassbinder/Hanna Schygulla. Das 20. Jahrhundert gehörte dem Individuum, der Vereinzelung, dem großen Monolog. Jedoch, das Doppelspiel Armin Petras/Fritz Kater (zwei Namen für denselben Mann) zeigt: Der Einzelne ist sich selbst nicht genug. Nicht einmal in der Kunst.