Der Internationale Währungsfonds (IWF) trägt eine gewisse Mitschuld an der schweren Wirtschaftskrise, in die Argentinien Anfang 2002 geraten ist. Zu diesem Schluss kommt sowohl eine Studie des Unabhängigen Evaluierungsbüros des Währungsfonds als auch eine Untersuchung der argentinischen Regierung.

Der IWF habe in den neunziger Jahren zu oft ein Auge zugedrückt angesichts mangelnder Haushaltsdisziplin und überbordender Staatsverschuldung in Argentinien. Beide, das chronische Defizit und die Verschuldung, seien eher unvereinbar mit der damals herrschenden festen Dollar-Bindung des Peso gewesen. Dieses Wechselkurssystem hatte die argentinische Wirtschaftsführung Anfang der Neunziger gegen den Willen des IWF implementiert. Später aber habe der IWF das System zu lange mitgetragen und versäumt, die argentinische Führung rechtzeitig zur Aufgabe der rigiden Dollar-Bindung zu drängen.

Argentiniens Wirtschaftsminister Roberto Lavagna wirft dem IWF zudem vor, die Durchführung der Privatisierungen der neunziger Jahre nicht ausreichend überwacht zu haben. Dabei sei offensichtlich gewesen, dass der Privatisierungsprozess in einer nicht gerade transparenten Weise durchgeführt wurde.

Ausgehend von dieser Kritik, kommen die Untersuchungen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen: Laut Evaluierungsbüro muss der IWF künftig seine eigenen Ansichten stärker einbringen, auch und gerade wenn sie konträr zu den Konzepten der betroffenen Länder stünden. Lavagna zieht dagegen in seiner offiziellen Antwort auf diesen Bericht den Schluss, dass Argentinien gegenwärtig nicht nur für eigene Fehler, sondern auch für die des IWF büße.

Er fordert, dass man im Zweifel den Autoritäten des jeweiligen Landes nachgeben solle, da diese alle Einflussfaktoren am besten beurteilen können und schließlich auch ihre politische Zukunft aufs Spiel setzen, wenn sie falsche Entscheidungen treffen.

Wurden die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft unterschätzt?

Im Juli veröffentlichte das argentinische Wirtschaftsministerium eine weitere Analyse, in der sie auch die IWF-Politik nach Ausbruch der Krise harsch kritisiert: Die Technokraten des Fonds hätten die Selbstheilungskräfte der argentinischen Wirtschaft unterschätzt und für das Jahr 2002 einen sehr viel höheren Wachstumseinbruch vorausgesagt als den, der tatsächlich eingetreten ist. Zu den Horrorszenarien, die der Internationale Währungsfonds in dieser Zeit gemalt habe, hätte auch die Prognose einer erneuten Hyperinflation gehört. Gestützt auf diese Fehleinschätzungen habe der IWF dann zu einer straffen Geld- und Haushaltspolitik geraten, sogar auf die Gefahr hin, dadurch den sozialen Frieden massiv zu gefährden. Die argentinische Regierung habe sich einem Großteil der Auflagen widersetzt, weil sie die wirtschaftliche Lage anders eingeschätzt habe. Heute weiß man, dass die Einschätzungen der argentinischen Regierung richtig waren, so der Bericht.