Stephen Horn: Im Namen der Macht

Aus dem Englischen von Hans M. Herzog - dtv, München 2004 - 376 S., 14,50 e

Das ist bester amerikanischer Stil: Sehr ruhig, Argument um Argument, entwickeln sich in rasiermesserscharfen Dialogen Verdachtsmomente. Selten hat ein amerikanischer Autor das Sprachspiel politischer Abstimmungssitzungen der Washingtoner Administration so analytisch als Machtspiel vorgeführt wie Stephen Horn. Der feine Unterschied zwischen ihm und den Grishams dieser Welt zeigt sich in der präzisen Art, in der er die Manipulationsrhetorik der Herrschenden vorführt. Und in der Konstruktion des Plots. Ein schwacher Mann, der nervenkranke Justizbeamte Philip Barkley, zimmert aus einem Fall, in dem es kaum Spuren, aber viele Vertuschungsmanöver und Verdächtige in höchsten Politkreisen gibt, eine starke Anklage gegen das Establishment.

Juan Bas: Skorpione im eigenen Saft

Aus dem Spanischen von Susanne Mende - Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt a. M. 2004 - 308 S., 19,90 e

Das ist bester spanischer Stil: barock, verfressen, selbstparodistisch, scheinbar nur auf verdrehte literarische Anspielungen und Sexszenen aus, phallisch und opulent. Ein Tunichtgut aus den besseren Kreisen Bilbaos und ein Koloss aus den Bergen betreiben mit der Weltkarte von Bilbao das Feinschmeckerrestaurant der Szene. Markenzeichen: geschichtete Kartoffeltortilla und Hummer in Weizentempura. Geschmack hat der Gebirgler bei Franco gelernt: Als Junge war er Vorkoster des Diktators. Erzählt wird in Rückblenden: wie Tunichtgut und Koloss zusammenkamen, wie der Koloss Rache nimmt für ein zerstörtes Leben im Schatten des Caudillos, der Pyrenäen und der Eta.