Berlin ist cool, Berlin ist hip, und trotzdem gibt es nur wenige Reiseführer für junge Touristen. Der Reiseveranstalter Herden versucht mit Berlin für junge Leute diese Lücke zu schließen. Vorgestellt werden die In-Viertel Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Charlottenburg, Kreuzberg, Mitte und Schöneberg – unter konsequenter Aussparung aller anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Für diese sechs Bezirke werden Kiez- und Szenerundgänge vorgeschlagen sowie Touren etwa mit Mofa oder Velotaxi. Zusätzlich gibt es eine ausführliche Adressensammlung. Zwar sind keine wirklichen Geheimtipps dabei, dafür wird ein Großteil der bei Studenten beliebten Bars und Lounges erwähnt. Außerdem erfährt man viel über junge Kunst und Kultur, etwa dass es hier neben 90 Musikverlagen rund 20000 Musiker gibt, über 1000 Bands und dass jährlich 300 Filme produziert werden. JVM

Vom nordeuropäischen Sommer hielt Emanuel Geibel offenbar wenig. Ihn zog es schon vor 150 Jahren "Fort nach Spanien! In das Land voll Sonnenschein!" Eine Schwärmerei mit fatalen Folgen, wie man weiß. Der englische Fotograf Hugh Palmer, in dessen Buch sich das Zitat findet, hat es jedoch geschafft, den Massentourismus gnädig auszublenden. Keine Chance für Ballermann, wo Die schönsten Dörfer Spaniens liegen. Für seine großartige Sammlung hat Palmer die Iberische Halbinsel durchstreift und sich auch von dem zuweilen leicht maroden Charme mancher Ansiedlungen nicht schrecken lassen. Weg von den Küsten! Wer auf diese Botschaft hört, wird zum Entdeckungsreisenden durch ein fremdes Lieblingsland. BW

Warum nicht mal ein Lexikon als Reiseführer durch Afrika? Andreas Mehler, Direktor des Instituts für Afrika-Kunde in Hamburg, und sein Vorgänger Rolf Hofmeier haben 56 Wissenschaftler und Fachleute gebeten, für "vornehmlich politisch orientierte" Afrika-Freunde Sachbeiträge und landeskundliche Artikel zu verfassen. Ergebnis ist ein Kleines Afrika-Lexikon, in dem beispielsweise auf das Stichwort Namibia ein Beitrag über nation-building folgt, über die schwierige Kunst, aus verschiedenen Ethnien ein Staatsvolk zu formen. Die Fakten sind jeweils auf dem Stand vom November 2003, also ziemlich aktuell. Literaturhinweise ergänzen jeden Text. Ausgespart wurden die fünf arabischen Mittelmeeranrainer sowie das umstrittene Westsahara-Territorium. Dass ein Inhaltsverzeichnis fehlt, ist ein geringes Manko, gemessen am Hörsaal-Deutsch vieler Texte. Besonders nervt die unerbittliche Flut von Abkürzungen. Allein der erste Satz des Abschnitts über "Ethnizität" vergrault den Leser mit neun Begriffsstummeln. Das Buch ist gewiss verdienstvoll, hätte aber kräftig redigiert werden müssen. CS