Der vergessene Premier.

Im Blitzlichtgewitter der Fotografen fährt eine Wagenkolonne vor. Ein Heer von finster dreinblickenden Leibwächtern sichert den Zugang zum israelischen Parlament. Doch die gepanzerte Limousine, aus der Ariel Scharon steigen sollte, ist leer. Welch ein Fauxpas: Die Sicherheitsbeamten haben den schwergewichtigen Premier in seiner stark gesicherten Residenz vergessen. Was die israelische Öffentlichkeit schmunzelnd zur Kenntnis nahm, findet der Inlandsgeheimdienst Schin Beth gar nicht zum Lachen. Obwohl Scharon zu keiner Zeit in Gefahr schwebte, leitete Schin Beth eine Untersuchung ein. Nicht auszumalen ist die Reaktion der Staatsmacht, wenn, umgekehrt, Scharon zum Parlament gefahren wäre und seine Leibwächter vergessen hätte.

Regent des Gartens.

Ob George W. Bush den Kampf ums Weiße Haus noch einmal gewinnt oder nicht - die Herrschaft über die Grünanlage davor ist ihm gewiss. Als Gartenzwerg nämlich, mit Zipfelmütze, Cowboystiefeln und Sheriffstern. Auf einer Internet-Seite vertreibt der Amerikaner Sam Girton den putzigen Präsidenten-Gnom, der sich bei Freund wie Feind des mächtigsten Mannes der Welt angeblich großer Beliebtheit erfreut. Die für Bush sind, finden ihn süß, die gegen ihn sind, finden ihn lustig, so Girton. Dass nun auch noch die amerikanischen Schrebergärten zu Schlachtfeldern des Wahlkampfes werden, ist aber nicht zu befürchten. Nach Sam Girtons Meinung taugt der knorrige Demokrat John Kerry nicht mal zum Gartenzwerg.

Warum nicht?

Politische Entscheidungen bedürfen bekanntlich der Begründung, welche, so jedenfalls ist es in Westeuropa üblich, gewöhnlich in irgendeiner Form auf das Gemeinwohl zu rekurrieren hat. Daran glaubt aber ohnehin niemand, was zum Ansehensverlust der Politik nicht unerheblich beiträgt. So gesehen könnte eine Initiative der slowakischen Oppositionsparteien wegweisend sein. Auf das übliche Vorbringen von Gründen wollen sie in Zukunft verzichten. Wenn eine von ihnen, warum auch immer, im Parlament 30 Unterschriften für die Abwahl eines beliebigen Ministers zusammenbekommt, unterstützen die übrigen Parteien diese Initiative. Das wirkt klar, ehrlich und reduziert Politik in erfreulicher Weise aufs rein Sportliche. Siegen oder scheitern, abwählen oder abgewählt werden - möge der Bessere gewinnen!