Ein Mäzen ist jemand, der einem anderen etwas von seinem Vermögen gibt, um ihn zu unterstützen. Wenn er das für die Gemeinschaft tut, dann ist er ein Stifter. In Deutschland gibt es über 12 000 Stiftungen. Von der 5000-Euro-Stiftung bis zu den Großen wie Bosch, Bertelsmann und Hertie.

Gibt es in Deutschland genügend Stifter oder Stiftungen? Der Frage möchte ich mit folgender Feststellung nachgehen: Wir haben einen relativ armen Staat und relativ wohlhabende Bürger. Der Staat - Bund, Länder, Kommunen - hat 1320 Milliarden Euro Schulden, die dieses Jahr mindestens 66 Milliarden Euro an Zinsen kosten. Die Privaten haben 3000 Milliarden Euro Vermögen, das jedes Jahr zunimmt und Milliarden Euro Zinsen bringt.

Aus der Tatsache des armen Staates ergibt sich, dass er nicht mehr alle Aufgaben wahrnehmen kann, die der Bürger eigentlich von ihm erwartet: Soziale Sicherung, Erziehung, Bildung und Kultur sind zu teuer geworden, gleichzeitig kamen neue Aufgaben hinzu - Sicherheit und Terrorabwehr in erster Linie. Aber auch die Träger öffentlicher Einrichtungen wie die Kirchen, die sowohl über eigene Steuereinnahmen wie staatliche Transfergelder verfügen und daraus Projekte der Suchtberatung oder Jugendhilfe finanzieren, spüren die Endlichkeit der Haushalte. Der EKD-Vorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, sagt: Wir sind an den Grenzen unserer Möglichkeiten.

Warum können diejenigen in unserem Lande, die Vermögen haben, nicht einen Teil der öffentlichen Aufgaben direkt finanzieren - also aus ihrem privaten Überschuss das Defizit der Gemeinschaft mindern? Es wird schon einiges getan, aber es könnte noch viel mehr getan werden. Dazu muss sich aber auch die gesellschaftliche Wahrnehmung ändern. Als ich einmal einen Theaterpreis stiftete, meinte ein Journalist, das würde ich ja nur tun, um Steuern zu sparen. Der gute Mann wusste offenbar nicht, dass wir in Deutschland nicht 100 Prozent Steuern zahlen. Die in Deutschland gepflegte Neid-Diskussion ist für Leute, die sich für die Zivilgesellschaft engagieren wollen, also beispielsweise Stifter, wenig ermutigend. Für die eingrenzenden Steuerbestimmungen und bürokratische Hürden gilt das gleiche. Es ist ja richtig, dass in einer solidarischen Gesellschaft diejenigen mit den besonders breiten Schultern mehr tragen müssen als die mit den schmaleren.

Nur: Dann gebt denen, die in gutem Bürgersinn mehr tragen wollen, als der Gesetzgeber verlangt, auch die Möglichkeit dazu.

Lasst doch stiften, wofür die Leute wollen, die Gemeinschaft bekommt auf alle Fälle mindestens 50 Prozent mehr als aus der Steuer. Und besser verwaltet als in der Staatsbürokratie wird das Geld in privaten Stiftungen auch.

Wenn von der Vertiefung der deutschen Stiftungskultur gesprochen wird, richtet sich der Blick immer wieder auf die USA. Dort gibt es sehr finanzstarke Stiftungen - die vier größten haben 30 Milliarden Euro Vermögen, die neun größten in Deutschland dagegen nur 17 Milliarden Euro.