Es war wirklich nicht das Verlangen nach einem wie auch immer gearteten Gemeinschaftserlebnis in der Warteschlange, was mich (Jahrgang 1932) veranlasst hat, die Strapaze eines MoMA-Besuches gleich zweimal auf mich zu nehmen, sondern es waren Nachholbedarf und Neugier. Neugier nicht nur auf die moderne amerikanische Malerei, sondern vor allem auf Originale jener Kunst, die die Nazi-Machthaber offenbar so gefürchtet haben, dass sie sie vor einem ganzen Volk wegzusperren versuchten, indem sie sie 1937, also vier Jahre nach der Bücherverbrennung, kurzerhand zur entarteten Kunst erklärten und die Museen zwangen, die Werke der verfemten Künstler auszuliefern, um sie entweder devisenbringend zu verkaufen oder zu vernichten.

Ich sehe in dieser Ausstellung eine Fortsetzung der verdienstvollen Ausstellung Entartete Kunst - Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-Deutschland des Los Angeles County Museum of Art 1992 im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Deshalb braucht die MoMA auch keine Geschichte oder Geschichten zu erzählen: Die Ausstellung dieser von den Nazis verfemten Kunst ausgerechnet in Berlin ist geschichtliches Ereignis und Fest zugleich.

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