Renate Schmidt, die Bundesfamilienministerin, hat es geschafft - gelassen das Wort von Elternzeit mit Lohnersatz ausgesprochen und eine Nation aufgeschreckt, die eine Woche vorher sich kein bisschen rührte bei der Nachricht, die Zahl der Geburten sei wieder um zehn Prozent gesunken, im Jahr 2004 könne mit 70 000 Kindern weniger zu rechnen sein als im Jahr zuvor. Na und? Deutschland hat unter den westlichen Industrieländern ohnehin den höchsten Anteil kinderloser Frauen. Nur beim Lohnersatz für Kindererziehung hört der Spaß auf! Ein Sturm der Entrüstung brandete auf, von der Begünstigung der Wohlhabenden und gefährdeter sozialer Gerechtigkeit war die Rede und vom Verdacht, Mütter sollten in die Küche abgedrängt werden.

Tatsache ist, eine Elternzeit mit Lohnersatz - etwa ein Jahr lang mit 80 Prozent des Nettogehaltes wie in Schweden oder Norwegen - ist eine klare politische Ansage: Kindererziehung ist dem Staat so viel wert wie Lohnarbeit.

Das ist gerecht - und zugleich eine fabelhafte Aufforderung an gut ausgebildete junge Leute, endlich ihre Kinderwünsche umzusetzen, statt sich wie heute zu annähernd 50 Prozent kinderlos in der Berufswelt festzufräsen.

Und die Regelung macht klar: Nach einem Jahr werdet ihr im Beruf zurückerwartet, Schluss mit der mütterlichen Neigung, sich von allen beruflichen Chancen zu verabschieden. Versteht sich, dass Elternzeit mit Lohnersatz nur geburtenfördernd wirkt, wenn es auch Krippen gibt und Ganztagsplätze in Kitas und Schulen, die Kleinen bleiben ja nicht ewig ein Jahr alt. Ein Wort noch zur Finanzierung? Kein Problem. Da ist einfach jene Art von Fantasie gefragt, wie sie sich bei der letzten Steuerreform austobte, die ja besonders gut verdienende Singles reich beschenkte.