Menschen, die ein Herz für Kultur haben, müssen in diesen Tagen viele böse Bemerkungen über sich ergehen lassen. "Eure Probleme möchten wir haben. Tausende verlieren ihren Arbeitsplatz, und ihr vergnügt euch im Museum. Wie sagte schon Friedrich Schiller: ›Frei im Raume schweben die Gedanken, doch hartz am Boden stoßen sich die Sachen.‹" Unsere Kritiker haben Recht. Ein Angestellter im sächsischen Gartenbau verdient nur dornenreiche 2,74 Euro die Stunde, ein Erntehelfer dürre 3,27 Euro und ein Bundeswehr-Wachmann schussfeste 3,91 Euro. Und bei einer thüringischen Küchenhilfe liegen nur 5,69 Euro Mindestlohn auf dem Tisch des Herrn, ganz legal und nach Tarif. Können diese Menschen ihr Los verbessern? Sie können, falls sie dem Rat der Benimm-Fürstin Donata Gräfin Fugger folgen und ihr Benehmen verbessern: "In Zeiten der Arbeitslosigkeit sind bei der Auswahl eines Bewerbers gute Manieren ein wichtiges Kriterium." Oder wie das Vorstandsmitglied eines Versicherungskonzerns in der SZ sagt: "Bei gleich qualifizierten Bewerbern nehmen wir denjenigen mit den besseren Manieren." Um Hartz IV ein Schnippchen zu schlagen, beachten Arbeitslose und Niedriglohnempfänger deshalb folgenden Hinweis: Im Fall einer Essens-Einladung durch den Sachbearbeiter ihrer Service-Agentur beschränken Sie Ihren Redeanteil bitte auf höfliche 30 Prozent. Achten Sie auf das optimale Druckverhältnis beim Händeschütteln. Vermeiden Sie Quetschungen und Kapselrisse. Damen tragen auch im Hochsommer Strümpfe, der Rock erreicht die Waden. Halten Sie Ihren Rücken gerade, zwischen Oberkörper und Tisch sollte eine Handbreit passen. Seien Sie kühl, aber herzlich. Nicken Sie erfreut, noch bevor Ihnen der Sachbearbeiter ein Angebot unterbreitet. Wird Ihnen eine Stelle als Problemzonenbearbeiter in Ihrem Lieblingsklärwerk angeboten, halten Sie sich bitte mit Freudenausbrüchen zurück. Besiegeln Sie den Arbeitsvertrag niemals per Handschlag, das ist proletarisch. Dasselbe gilt für arbeitslose Soziologen, die über Mülltrennung geforscht haben (Ewige Wiederkehr. Zur Logik der Abfallverwertung in spätbürgerlichen Gesellschaften). Falls Ihnen wider Erwarten eine Stelle bei der städtischen Windelentsorgung angeboten wird: Bleiben Sie ruhig, jubeln Sie nicht. Lächeln Sie glücklich mit den Augen. Heben Sie Ihr Glas synchron mit Ihrem Tischpartner, und stellen Sie es drei Fingerbreit neben Ihrem Teller wieder ab. Na also. Es geht doch. Und nun viel Glück! Finis