Die argentinische Regierung setzt alles auf eine Karte. Bis Ende dieses Jahres will das Land, das 2001 seine Zahlungsunfähigkeit erklärte und seither keine Zinsen mehr auf Anleihen im Wert von rund 80 Milliarden Dollar zahlt, die Umschuldung dieser Kredite vollziehen. Doch dagegen laufen die Gläubiger Sturm. Das Angebot der argentinischen Regierung würde nämlich bedeuten, dass viele rund drei Viertel ihres eingesetzten Kapitals verlieren – ein Forderungsverzicht, den bislang noch kein Land durchsetzen konnte. Die Argentinier aber geben sich siegessicher: "Wer das Angebot nicht akzeptiert, muss vor Gericht ziehen", beschied der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna kühl. Argentinien-Anleihen werden erneut zum Spekulationsobjekt

Kommt Argentinien damit durch? Schwer zu sagen. Einen vergleichbaren Fall hat es jedenfalls noch nie gegeben. "Es ist nicht nur der größte Zahlungsausfall in der Geschichte", sagt Joydeep Mukherji von der US-amerikanischen Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s. "Auch die Präsenz einer großen Anzahl von Einzelanlegern, vor allem in Europa, macht diese Schuldenverhandlungen ungleich komplizierter als zuvor."

Um ihre Verhandlungsposition zu stärken, begannen diese Kleinanleger schon früh, sich zunächst in regionalen oder nationalen Gruppen zu organisieren, um der argentinischen Regierung als gewichtiger und einheitlicher Block entgegentreten zu können. Wohl als Erste schlossen sich noch im Januar 2002 ein paar hundert deutsche Anleger zu der Interessengemeinschaft Argentinien zusammen. Sie besitzen Anleihen im Wert von 200 Millionen Euro.

Der Wirtschaftsminister hat den IWF schachmatt gesetzt

Bald darauf organisierten sich auch italienische Kleinanleger, die mit Forderungen von über 14,5 Milliarden Dollar gegen Argentinien die größte Gruppe unter den Geschädigten bilden. Sie gründeten die Task Force Argentina. Fast gleichzeitig entstand die Initiative Argentine Bond Restructuring Agency unter Führung der HypoVereinsbank und der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapiere. ABRA vertritt die Interessen von Anlegern aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Holland, die ihre Anleihen im Wert von 1,2 Milliarden Euro übertragen haben.

Schließlich taten sich auch die institutionellen Anleger zusammen: Die 30 größten US-Banken und Investmentfonds, die zusammen Forderungen über 7,5 Milliarden Dollar gegen Argentinien halten, gründeten das Argentina Bondholder Committees.

Seit Anfang dieses Jahres existiert eine übergeordnete Dachorganisation, der alle diese internationalen Vereinigungen angeschlossen sind: das Global Committee of Argentina Bondholders (GCAB), das 500000 Einzelanleger und 100 institutionelle Investoren vertritt, die Forderungen im Wert von 37 Milliarden Dollar gegen Argentinien haben. Das ist fast die Hälfte der gesamten nominalen Umschuldungssumme von gut 80 Milliarden Dollar. Weitere 40 Prozent halten argentinische Anleger, vor allem die privaten argentinischen Rentenfonds, mit denen die Regierung jedoch gesondert verhandelt.

Doch bislang zeigt sich Argentinien relativ unbeeindruckt von Drohungen seiner internationalen Gläubiger, die Umschuldung notfalls per Gericht zu blockieren, sollte das Angebot nicht nachgebessert werden. Schon jetzt laufen mehr als 100 verschiedene Verfahren gegen Argentinien, mehr als 80 davon in Deutschland. Zwei deutsche Kläger haben sogar einen Pfändungsbeschluss erwirkt. Doch das Problem dabei: Es gibt nichts zu pfänden. Längst hat der argentinische Staat alle Gelder aus dem Ausland abgeräumt.