Die Liebe des Terroristen

Als an ihrem Krankenbett um die Mittagszeit das Telefon klingelt, nimmt Gülay S.* erwartungsvoll den Hörer ab. "Ich liebe dich", sagt eine männliche Stimme unvermittelt. Gülay ist glücklich, diese Stimme zu hören. Vergessen sind all die Enttäuschungen, Erniedrigungen und Streitereien. "Ich liebe dich", sagt die Stimme noch einmal. Es ist Ziad Samir Jarrah, 26, ihr Ehemann.

Eine Krankenschwester kommt ins Zimmer und will wissen, was sie morgen zu Mittag essen möchte. Sie bittet die Krankenschwester, später noch einmal vorbeizuschauen. Die Schwester lässt sich nicht abwimmeln. Gülay fragt ihren Mann deshalb am Telefon nur kurz, ob alles in Ordnung sei. "Alles in Ordnung", sagt Ziad Jarrah und wiederholt noch einmal: "Ich liebe dich." Dann beendet er das Gespräch. Gülay legt den Hörer auf die Gabel; sie ahnt nicht, dass sie ihren Mann nie wieder sprechen wird.

Ziad Jarrah ist einer jener 19 jungen Araber, die in den USA vier Passagierflugzeuge amerikanischer Fluglinien entführen. Während drei Maschinen in das Pentagon und in die beiden Türme des World Trade Center gelenkt werden und dort ein Inferno anrichten, soll Jarrah mit drei weiteren Komplizen an Bord von United Airlines UA 93 das Kapitol oder das Weiße Haus zerstören. Der Plan misslingt. Die Passagiere dieses Flugzeuges, über Handy von Angehörigen über die Anschläge in Washington und New York unterrichtet, ahnen, was die Entführer vorhaben. Sie beschließen, sie davon abzuhalten. Sie versuchen das Cockpit zu stürmen. Als die vier Terroristen merken, dass sie ihr Ziel nicht erreichen werden, brüllt Ziad Jarrah, Gülays Ehemann: "Allah ist der Größte!" Er fragt die anderen Entführer: "War’s das? Soll ich sie jetzt schon abstürzen lassen?" Antwort: "Ja!" Kaltblütig drückt Jarrah den Steuerknüppel nach vorne. Die Maschine rast im Sturzflug zu Boden. Um 10.03 Uhr zerschellt sie auf einem Acker in Pennsylvania, nahe dem Örtchen Shanksville. 33 Passagiere, 7 Besatzungsmitglieder und die 4 Entführer sind auf der Stelle tot. Es ist der 11. September 2001.

Seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war. Besonders im Leben von Gülay S. Sie muss sich fragen, wie gut sie ihren Ehemann kannte. Wie konnte er so etwas tun? Dazu die vorwurfsvollen Fragen der Justiz und der Polizei, der Freunde und Wohnungsnachbarn, ob sie all die Jahre nichts davon bemerkt hätte, dass ihr Mann mit seinen Freunden den grausamsten Terroranschlag der Geschichte vorbereitete. Aber am schlimmsten ist vielleicht das Gefühl, Ziad Jarrah geliebt zu haben, einen vielfachen Mörder, einen Mann, der sich Kinder von ihr wünschte. Eine Liebe, die im April 1996 beginnt. Gülay, damals 21 Jahre alt, studiert Medizin in Greifswald. Sie wohnt dort in einem Studentenwohnheim, in das zwei junge Männer einziehen. Es sind Ziad Jarrah und sein Cousin. Sie bekommen das Zimmer direkt neben Gülay. Nach einem Monat kommen sich die Deutschtürkin und der Libanese näher, nach zwei weiteren Monaten ziehen Gülay und Ziad in eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Sie fühlt sich bei diesem Mann geborgen und verstanden. Ziad ist Muslim, sie haben denselben Glauben, er hat trotzdem keine Probleme mit westlicher Lebensart. Jarrah gibt Gülay die Kraft, nach ihrer Fasson zu leben, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

Es ist noch nicht lange her, da wäre Gülay an diesem Spagat zwischen westlichem Lebensstil und muslimischer Kultur fast zerbrochen. Sie war damals gerade 18 geworden und hatte während eines Aufenthaltes in der Türkei beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Sie hatte eine Überdosis Medikamente eingenommen, 20 oder 30 Tabletten eines Antidepressivums. Drei Jahre später in Greifswald hat Gülay diesen Konflikt bewältigt. Das hat auch mit Ziad Jarrah zu tun. Sie gelten als hübsches Paar, zusammen gehen sie auf Partys, auf den Medizinerball, in Discotheken, tanzen ausgelassen, führen ein ganz normales Studentenleben.

Jarrah ist so erzogen. Im Libanon ist sein Vater ein hochrangiger Regierungsbeamter, seine Mutter Lehrerin für Französisch. Obwohl sie Muslime sind, schickten sie ihn auf eine christliche Schule. Sie ließen ihrem Sohn alle Freiheiten, er kannte die schönsten Strände, die besten Bars. Das Militär blieb ihm erspart, er durfte beim Roten Kreuz Ersatzdienst leisten.

Bei Gülay zu Hause in Stuttgart, wo sie als zweitälteste Tochter türkischer Gastarbeiter geboren und aufgewachsen ist, geht es anders zu. Ihre Mutter trägt ein Kopftuch, sie ist eine gläubige Muslimin, ihr Vater nimmt den Glauben weniger ernst. Er verzichtet auf das Freitagsgebet, trinkt bisweilen Alkohol. Aber für die Erziehung war die Mutter zuständig, sie erzog ihre drei Töchter streng nach der traditionellen türkischen Kultur, wozu ihrer Ansicht nach der regelmäßige Besuch einer Moschee gehört. In Greifswald geht Gülay kaum in die Moschee.

Im März 1997 wird Gülay schwanger. Sie erzählt Ziad Jarrah zunächst nichts davon und lässt das Kind abtreiben. Sie hat Angst um ihre Karriere als Ärztin. Sie studiert erst seit zwei Jahren Medizin, Jarrah steckt mitten im Aufbaustudium, er hofft, einen Studienplatz für Zahnmedizin zu bekommen. Diese Hoffnung jedoch zerschlägt sich bald, seine Abschlussnote 2,2 reicht nicht für Zahnmedizin.

Die Liebe des Terroristen

Stattdessen beginnt er im Herbst 1997 an der Hamburger Fachhochschule Flugzeugbau zu studieren. Zunächst besucht er Gülay jedes Wochenende, nach einiger Zeit kommt er nur noch jedes zweite Wochenende nach Greifswald. Das sind nicht die einzigen Veränderungen. Jarrah beginnt mit regelmäßigen Gebeten. Er lässt sich einen Bart wachsen. Gülay mag das überhaupt nicht. Sie will, dass er den Bart abnimmt. Ihr Freund flüchtet sich in Ausreden. Das tägliche Rasieren sei ihm zu lästig, sagt er. In einem Gespräch mit einem Bekannten von Gülay erwähnt er erstmals den Dschihad, den Heiligen Krieg. Er werde irgendwann "die Erde nicht auf natürliche Art und Weise verlassen". Bei anderer Gelegenheit deutet er an, es sei eine Ehre, als Märtyrer für Allah zu sterben.

Ziad Jarrah beginnt, an Gülays Erscheinung herumzunörgeln. Mit ihrer Kleidung ziehe sie die Blicke anderer Männer auf sich, wirft er ihr vor. Gülay denkt sich nichts dabei, sie kennt Ziads krankhafte Eifersucht. Immerhin, sie ist bereit, mit ihm zu beten. Ihr Physikum steht bevor, Gülay hat festgestellt, dass das Rezitieren von Koransuren etwas Beruhigendes hat.

Zu Beginn des Wintersemesters 1998 zieht Gülay nach Bochum, um das Studium an der Ruhr-Universität fortzusetzen. Ihre Nachbarin im Wohnheim ist Siri K., eine Theologiestudentin. Auch deren Freund studiert Theologie. Zu viert, wenn Jarrah zu Besuch ist, sitzen sie bisweilen zusammen und diskutieren über Christentum und Islam und Judentum. Gegen Christen hat Ziad nichts, allerdings äußert er sich abfällig über Juden.

Siri lernt auch noch eine andere Seite Jarrahs kennen. Durch die dünnen Wände des Wohnheims bekommt sie die Streitereien zwischen den beiden mit. Er verlangt nun von Gülay, sie solle ein Kopftuch tragen, sich nicht mehr schminken. Dabei wird er mitunter auch handgreiflich. Er will die Heirat, obwohl Gülays Vater dagegen ist. Gülay ist hin und her gerissen, schließlich trennen sie sich. Aber kurz darauf schreibt Gülay wieder E-Mails: "Ich konnte vergangene Nacht nicht schlafen und habe lange, lange überlegt…" Sie signalisiert Bereitschaft, ihren Freund auch ohne den Segen ihrer Eltern zu heiraten. Allerdings verlangt sie, dass er seinen vagen, immer mal wieder geäußerten Plan aufgibt, in den Dschihad zu ziehen. "Ich glaube nicht, dass das der Sinn einer Ehe ist", mailt sie ihm. Wenige Tage später heiraten Gülay und Ziad in der Al-Nur-Moschee in Hamburg. Gülay weiß, dass dies nicht die Moschee ist, in der Jarrah sonst betet. Ihr Ehemann gesteht, dass er seinen Freunden nicht begegnen wolle. Er schäme sich, erklärt er Gülay, weil sie keinen Schleier trage. Zurück in Bochum, zeigt Gülay ihrer Freundin Siri stolz den Ehering. Gülay erzählt von einem Ehevertrag, der im Beisein des Imams geschlossen wurde. Demnach dürfe sie ihr Studium beenden. Auch seien die Unterhaltszahlungen geregelt, die Gülay zustünden, sobald ihr Mann selbst Geld verdiene.

Im November 1999 räumt Jarrah sein Zimmer in Hamburg. Gülay hilft ihm dabei, sie ist unglücklich, weil Ziad nicht zu ihr nach Bochum ziehen, sondern ins Ausland gehen will. Wohin, will er ihr nicht verraten. Gülay befürchtet, er wolle nach Tschetschenien. Einmal hatte er zu ihr gesagt: "Dort sterben Brüder und Schwestern." Sie sorgt sich, dass Ziad nun wahr macht, was er all die Jahre immer wieder angedeutet hat, nämlich in den Dschihad zu ziehen. Ihr Mann habe nichts erzählt, das ist ihre Version bis heute. Er erteilt ihr noch eine Kontovollmacht und bittet sie, sich während seiner Abwesenheit um die finanziellen Dinge zu kümmern.

Statt von Ziad Jarrah bekommt sie im Dezember 1999 einen Anruf von einem gewissen Mounir Motassadeq, einem Gesinnungsgenossen aus dem Kreis der Hamburger Freunde. Er fragt Gülay, ob sie irgendetwas benötige. Allerdings erwähnt Motassadeq mit keiner Silbe ihren Mann Ziad. Gülay traut sich nicht, nach ihm zu fragen.

Auch Jarrahs Eltern melden sich, weil sie lange nichts mehr von ihrem Sohn gehört haben. Eine Zeit lang hat Gülay noch gehofft, dass sich Ziad bei ihnen im Libanon aufhalte, vielleicht um Abstand von ihr zu gewinnen. Aber mit dem besorgten Anruf der Eltern zerschlägt sich diese Vermutung. Anfang 2000 ist Gülay völlig verzweifelt – da erhält sie einen Brief aus dem Jemen, mit einer Postfachadresse als Absender. Im ersten Moment bleibt ihr fast das Herz stehen. Sie fürchtet, es könnte eine Todesnachricht sein. Aber es ist ein Brief von Ziad. Gülay liest die Zeilen, die ihr Herz höher schlagen lassen. Er schreibt, es gehe ihm gut, aber er vermisse sie sehr. Er sagt, dass er unbedingt ein Kind von ihr haben möchte, das Wort Kind ist gleich in mehrere Sprachen übersetzt. Nur eine Woche später meldet sich Jarrah telefonisch, er kündigt seine baldige Rückkehr an. Am 31. Januar 2000 steht er vor Gülays Appartement in Bochum.

Die Liebe des Terroristen

Er überhäuft seine Frau mit Geschenken, zwei Trachten – Honig und Hausschuhe aus Pakistan, Goldschmuck aus Dubai. Gülay möchte wissen, woher die Sachen stammen. Sie will wissen, was er dort gemacht habe, er sagt nur: "Frag mich nicht, es ist besser für dich." Sie insistiert nicht weiter, sie weiß, es hat keinen Sinn. Verstohlen mustert sie den schlafenden Ziad Jarrah. Hat er irgendwo Narben, Spuren von Verletzungen? Aber Ziad scheint unversehrt. Weder wirkt er traumatisiert, noch ist er abgemagert. Er sieht aus wie immer, sportlich und schlank. Einfach umwerfend, wie sie findet. Außerdem trägt er nicht mehr diesen grässlichen Bart.

Rundflug über Florida – Gülay ist stolz auf ihren Piloten

Als wäre dies die einzige Veränderung. Ziad Jarrah ist längst für die geplanten Anschläge in den USA rekrutiert. In den afghanischen Al-Qaida-Camps ist man auf ihn aufmerksam geworden, wurde erkannt, dass sich mit diesem Kämpfer aus Hamburg und seinen Freunden Mohammed Atta und Marwan Alshehhi ein längst fertiger Plan realisieren lässt.

Zur Überraschung seiner Frau spricht Jarrah in Bochum von seiner festen Absicht, das Flugzeugbau-Studium abzubrechen. Er wolle Pilot werden. Gülay beginnt sofort, im Internet nach Flugschulen im Umkreis von Bochum zu suchen. Ihr Mann hat andere Pläne, im März 2000 stellt er klar, dass er in den USA Pilot werden möchte. Am 26. Juli fliegt er nach Florida, in Venice hat er sich an einer Flugschule angemeldet. Gülay leidet unter der erneuten Trennung, bedrängt Jarrah mit E-Mails. Im Oktober besucht er sie schließlich in Bochum. Zusammen fahren sie nach Paris, drei glückliche Tage, dann reist ihr Mann wieder zurück in die USA. Und Gülay bleibt erneut nichts anderes, als E-Mails zu schreiben: "Habibi (Liebling), wo bist du? Ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil ich mir Sorgen um dich mache."

Anfang 2001 schaut der Ehemann wieder in Bochum vorbei, Ziad Jarrah nimmt Gülay mit nach Florida, er will ihr zeigen, wie er dort lebt. Gülay lernt die anderen Flugschüler und den Lehrer kennen. Jarrah, der bereits seinen ersten Pilotenschein in der Tasche hat, mietet eine einmotorige Maschine und fliegt mit ihr über das Stadtgebiet von Venice. Gülay ist stolz auf ihren Mann, der ihr Miami zeigt und sie zum Essen ausführt. Ihm fehlt es offenbar an nichts. Er hat sogar ein Auto, einen roten Mitsubishi Eclipse. Woher er das Geld hat? Gülay denkt, es kommt vom Vater.

Jarrah hat weitere Übungsstunden in einem Flugsimulator gebucht. Gülay begleitet ihn. In dem Flugsimulator sehe es aus wie im Cockpit einer großen Boeing, erklärt ihr Ziad. In ihrem Beisein übt er, mit dem großen Flugzeug zu fliegen, Gülay macht Fotos von Jarrah, ihrem Flugkapitän. Nach zwei Wochen fliegt sie nach Deutschland zurück. Zeitgleich reist ihr Mann nach Beirut. Sein Vater hat einen Herzinfarkt erlitten. Auf dem Rückweg legt er wieder einen Zwischenstopp bei Gülay in Bochum ein. Jarrah wiederholt seinen Kinderwunsch. Bevor sein Vater stirbt, soll er noch ein Enkelkind bekommen. Gülay will sich nicht unter Druck setzen lassen. Sie verlangt, Ziad müsse zuerst zu ihr nach Deutschland zurückkommen.

Während sich Mohammed Atta und die anderen auserwählten Todespiloten in Florida auf ihren Anschlag vorbereiten, hat Jarrah Eheprobleme. Gülay unterstellt ihm am Telefon, in Amerika eine andere Frau zu haben. Auch bei seinem Besuch in Bochum Ende März geraten sie sich in die Haare. Jarrah stellt gleich nach seiner Ankunft klar, dass er wegen der nächsten Pilotenprüfung wieder nach Amerika zurückmüsse. Gülay ist enttäuscht, zumal Ziad wieder verlangt, sie solle ihr Leben ändern, ein Kopftuch tragen, die Regeln des Korans beachten. Schließlich trennt sie sich von ihm.

Die Liebe des Terroristen

Jarrah kümmert sich um seine Frau, Mohammed Atta ist erzürnt

Sie versöhnen sich wieder, diesmal telefonisch. Jarrah hat nun ganz andere Schwierigkeiten. Er hat sich mittlerweile mit Mohammed Atta zerstritten. Der wirft ihm vor, sich mehr um diese Gülay zu kümmern als um die Anschlagsvorbereitung. Trotzdem reist Jarrah wieder nach Deutschland, ohne Rückflugticket in die USA; Atta und die Terrorchefs in Afghanistan fürchten, Jarrah könnte abspringen, der ganze Anschlagsplan wäre damit in Gefahr. Hektische Telefonate zwischen Afghanistan, Amerika und Deutschland sind die Folge. Noch bevor Jarrah in Miami das Flugzeug nach Deutschland besteigt, wird er von Atta abgefangen und gründlich bearbeitet. Das gleiche Prozedere in Deutschland. Bei seiner Ankunft auf dem Düsseldorfer Flughafen wird Jarrah von dem Jemeniten Ramzi Binalshibh, dem Anschlagskoordinator in Deutschland, erwartet. Er beschwört Jarrah, den Plan nicht aus den Augen zu verlieren. Der lehnt jede Diskussion ab, er will zu seiner Frau.

Er hat nur wenig Gepäck dabei, Gülay sieht es sofort. Ihr Mann ist nur körperlich anwesend, gedanklich scheint er weit weg zu sein. Gülay geht es schlecht, sie plagt sich mit entzündeten Mandeln herum, und sie muss fürs zweite Staatsexamen büffeln. Jarrah interessiert das alles nicht. Er ist immer ein guter Zuhörer gewesen, jetzt liegt er den ganzen Tag über apathisch im Bett.

Nach zehn Tagen fliegt Jarrah zurück in die USA – diesmal zum letzten Mal, schwört er beim Abschied. Er wechselt fortan ständig seine Telefonnummer. Gülay muss ihn manchmal regelrecht bedrängen, ihr seine jeweils aktuelle Nummer zu geben. Sie macht ihr zweites Staatsexamen und möchte täglich mit ihm reden. Sie produziert Telefonrechnungen von 500 Mark, sie überzieht sogar ihr Konto. Jarrah ruft jetzt ebenfalls fast täglich bei ihr an, er weiß, viel Zeit hat er nicht mehr.

Gleich nach ihrem Examen geht Gülay ins Krankenhaus, um sich die Mandeln herausnehmen zu lassen. Am 11. September 2001, wenige Stunden nach Jarrahs letztem Anruf, bekommt sie Besuch von Mahmoud Ahmad A. Er ist ein alter Freund von Jarrahs Vater, seit über 20 Jahren lebt er in Deutschland. Gülay bittet ihn, sie für ein paar Stunden mit zu sich nach Hause zu nehmen, die junge Ärztin hält es nicht länger aus im Katholischen Krankenhaus St. Elisabeth in Hattingen-Blankenstein. Kein Problem, sagt Mahmoud Ahmad A., der in einer Nachbarstadt einen Sportshop betreibt und als Tennislehrer arbeitet.

Anruf beim Ehemann: Er ist nicht mehr zu erreichen

"Zwei Flugzeuge ins World Trade Center gerast – Terrorakt vermutet". Während erste Eilmeldungen um die Welt gehen, erzählt Gülay dem Tennislehrer von Ziads Anruf und den Liebesschwüren. Der Fernseher läuft. Auf allen Kanälen sind die Bilder aus New York zu sehen, die Türme des World Trade Center in Flammen. Das Gespräch verstummt, sie starren auf den Bildschirm. Fernsehreporter berichten von einem weiteren Anschlag in Washington, das Pentagon ist getroffen. Kaum 20 Minuten später die Nachricht, dass im Bundesstaat Pennsylvania ein Passagierflugzeug abgestürzt sei. Die Ursache sei unbekannt, heißt es zunächst, aber ein Zusammenhang mit den Anschlägen in New York und Washington sei nicht auszuschließen. Dazwischen immer wieder die Bilder der rauchenden Türme in Manhattan, verzweifelte Menschen stürzen sich aus den Fenstern, Gülay kann die Bilder nicht ertragen. Sie bittet den Freund, das Fernsehgerät abzuschalten.

Die Liebe des Terroristen

Für einen kurzen Moment denkt sie an Ziad, der sich in den USA aufhält. Sie macht sich keine Sorgen. Sie wähnt ihn bei der Pilotenprüfung in Miami. Und Miami ist weit weg von New York und Washington. Gegen 22.30 Uhr lässt sich Gülay ins Krankenhaus zurückfahren.

Am nächsten Tag wartet sie ungeduldig auf einen Anruf Ziads. Er meldet sich nicht. Gegen 13 Uhr versucht sie Jarrah auf seinem Handy anzurufen. Doch sie hört nur eine Ansage: Der Teilnehmer sei derzeit nicht zu erreichen. In den TV-Nachrichten heißt es, dass zwei arabische Männer mit den Attentaten in Verbindung gebracht werden. Sie sollen in Florida eine Pilotenausbildung absolviert haben. Gülay läuft ein Schauer über den Rücken. Mehrmals an diesem Tag versucht sie ihren Mann zu erreichen. Aber sie bekommt jedes Mal nur die automatische Ansage zu hören.

Die Spätnachrichten melden, eine Spur der Attentäter führe nach Deutschland. Das FBI hat den deutschen Behörden auf einem Fax Namen von verdächtigen Selbstmordattentätern übermittelt. Die ARD zeigt Bilder, auf denen die Polizei den Eingang eines Mietshauses in Hamburg-Harburg großräumig absperrt. Dort sollen die Selbstmordattentäter gelebt haben. Der Generalbundesanwalt hat bereits ein Ermittlungsverfahren gegen die Verdächtigen eingeleitet sowie gegen "weitere unbekannte Personen wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und Angriffen auf den Luftverkehr". Gülay zwingt sich, ruhig zu bleiben, logisch zu denken. Sie hofft, ihre Angst möge verfliegen. Vergeblich.

Am Morgen des 13. September 2001 verlässt Gülay das Krankenhaus. Auf eigene Verantwortung. Ihr Studienfreund Markus H., mit dem sie zusammen fürs Examen lernte, holt sie mit seinem Auto ab. In ihrer Wohnung packt Gülay ihre Sachen aus und telefoniert. Sie muss ihren Umzug nach Stuttgart organisieren, wo sie im Oktober eine Praktikumsstelle antritt. Danach duscht sie. Gegen 14.30 Uhr schaut Markus H. wieder vorbei. Er hat Wibke N. mitgebracht, die ebenfalls mit Gülay befreundet ist. Markus und Wibke haben Ziad nur ein- oder zweimal gesehen. Aber nach den Bildern der Anschläge in Amerika mussten sie sofort an Jarrah denken, von seinen religiös-fanatischen Anwandlungen hatte Gülay bisweilen erzählt. Wibkes Vater war früher Pilot bei der Bundeswehr und absolvierte damals ebenfalls eine Pilotenausbildung in den USA. Er hat Wibke die Telefonnummer eines Bekannten gegeben, der beim deutschen Staatsschutz arbeitet.

Als Markus und Wibke in die Wohnung kommen, hört Gülay gerade ihren Anrufbeantworter ab. Zwei Anrufe sind aufgezeichnet. Die erste Nachricht ist gar nicht für Gülay bestimmt. "Hier ist eine Nachricht für Ziad", sagt ein Mann mit amerikanischem Akzent. "Hier ist die Stimme von Arne, Florida Flight Center, bitte zurückrufen die Telefonnummer 9414843771."

Gülay kennt den Anrufer. Es handelt sich um Arne Kruithof, den Besitzer der Flugschule in Florida, an der Jarrah seinen Pilotenschein gemacht hat. Die Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter bringt Gülay völlig aus der Fassung. Wibke gibt ihr die Telefonnummer des Staatsschützers. Gülay ruft ihn an. Umgehend kommen zwei Polizeibeamte in ihre Bochumer Wohnung. "Ich wende mich an die Polizei, weil ich mir ernsthafte Gedanken um meinen libanesischen Freund mache. Dieser lebt seit Juni letzten Jahres in Florida. Dort besucht er eine private Flugschule und versucht dort seinen Flugschein zu machen", gibt Gülay zu Protokoll. Sie verschweigt, dass sie mit Jarrah verheiratet ist. Sie erzählt nichts von Jarrahs Äußerungen über den Dschihad und den Märtyrertod. Sie sagt nur, sie habe "die Befürchtung, dass meinem Freund etwas passiert sein könnte". Schließlich schildert sie den Beamten ihr letztes Telefongespräch mit Jarrah und vergisst nicht, seine Liebeserklärung zu erwähnen. Sein "Ich liebe dich" ist der Strohhalm, an den sich Gülay klammert.

Die Polizeibeamten nehmen alles zu Protokoll. Gülay zeichnet ein Bild von einem Paar, das seit mehr als fünf Jahren glücklich liiert ist, trotz der zeitweiligen räumlichen Trennung. Zum Schluss bitten die Beamten Gülay, die Telefonnummer des Fluglehrers in Florida anzurufen. Es meldet sich eine männliche Stimme: "Florida Flight Training Center".

Die Liebe des Terroristen

"Ha, hallo, hier ist Gülay, die Freundin von Ziad. Spreche ich da mit…?"

Die Verbindung wird plötzlich unterbrochen, ein Besetztzeichen ist zu hören.

Zwei Minuten später versucht es Gülay noch einmal. Diesmal meldet sich eine weibliche Stimme. Gülay sagt: "Hier ist Gülay, die Freundin von Ziad."

"Ziad?"

"Yes, kann ich mit Arne sprechen?"

"Ziad Jarrah?", fragt die Frauenstimme.

"Yes", sagt Gülay.

Die Liebe des Terroristen

"Bleiben Sie dran." Gülay wird durchgestellt.

"Hallo, hier ist Arne Kruithof", meldet sich nun der Flugschulbesitzer persönlich.

"Hallo, hier ist Gülay. Sie haben mich angerufen?" – "Ja", sagt Arne.

"Ja, Sie haben mich angerufen, also beziehungsweise meine Nummer angerufen, damit Ziad sich zurückmeldet", sagt Gülay.

"Ja genau", sagt der Fluglehrer und erklärt in seinem gebrochenen Deutsch: "Wissen Sie, ob wir mit ihm in Kontakt kommen können? Es geht um Folgendes: Wir sind hier in Amerika, und wir haben eine Untersuchung gemeinsam mit dem FBI. Und Ziad wird verdächtigt, mitgeholfen zu haben, diese Attentate auszuführen. Und bis wir wissen, wo er ist oder ob er noch lebt, wird er weiter hiervon beschuldigt. Wir suchen nach Leuten, die das Gegenteil beweisen können." Gülay erklärt, dass sie zuletzt am Dienstag mit Jarrah telefoniert habe, dass sie sich nun auch Sorgen mache und deshalb bei der deutschen Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben habe.

"Okay", sagt Arne Kruithof, "und letzten Dienstag haben Sie noch mit ihm gesprochen?"

"Ja", sagt Gülay.

Die Liebe des Terroristen

"Also Dienstag", sagt Arne und fragt auf Englisch offenbar eine andere Person: "Dieses Attentat, war das Dienstagabend oder Mittwoch?" Eine weibliche Stimme versichert ihm auf Englisch: "Dienstag."

"Alles klar", wendet sich der Flugschulbesitzer auf Deutsch wieder direkt an Gülay. "Okay, es tut uns leid, das so zu vermelden. Aber wir vermuten – also in Amerika wird vermutet, dass Ziad eines dieser Flugzeuge geflogen hat, und deshalb suchen wir nach ihm. Es ist sehr wichtig, wenn er doch etwas von sich hören lässt, dass wir sofort darüber unterrichtet werden."

FBI-Beamter und deutscher Polizist tauschen die Telefonnummern

Gülay erkennt nicht sofort die ganze Tragweite dieser niederschmetternden Information: "Haben Sie eine Nachricht?"

"Also, wir haben nur die Nachricht, er werde hier…" Der Fluglehrer bricht mitten im Satz ab, um von vorne zu beginnen: "Er wurde hier gesucht, und die einzige Nachricht, die wir haben, ist, dass er nicht mehr lebt."

Gülay bricht zusammen. Einer der Beamten greift nach dem Hörer und gibt sich als Polizist zu erkennen. Am anderen Ende der Leitung reicht daraufhin Arne Kruithof seinen Hörer weiter. Es meldet sich FBI-Sergeant Pat Lafin, der sich, als Gülay anrief, gerade bei dem Fluglehrer nach Ziad Jarrah erkundigte. Seit den Anschlägen zweieinhalb Tage zuvor sind in den USA mehr als 7000 FBI-Beamte mit den Ermittlungen betraut, in der Bundesrepublik gehen ebenfalls Tausende von Polizisten Hinweisen nach. Das Telefongespräch zwischen Bochum und Florida bringt zum ersten Mal zwei Ermittler zusammen, die beide dieselbe heiße Spur verfolgen. Der FBI-Beamte und der deutsche Polizist beschließen, für alle Fälle ihre Telefonnummern auszutauschen.

Am nächsten Tag, es ist der 14. September 2001, erscheint Gülay gegen 19.30 Uhr im Polizeipräsidium Bochum. Sie ist als Zeugin geladen, nicht als Verdächtige oder gar Beschuldigte. Trotzdem hat sie einen Anwalt mitgebracht. Sie wird informiert, dass der Generalbundesanwalt gegen Ziad Jarrah ermittelt, auch gegen dessen Hamburger Freunde. Drei davon sind seit den Anschlägen spurlos verschwunden. Gülay gibt zu Protokoll, dass sie mit Jarrah verlobt sei. Die Heirat verschweigt sie erneut, wie so viele andere Dinge. Sie erklärt, sie sei körperlich und psychisch nicht in der Lage, eine längere Aussage zu machen. Die Vernehmungsbeamten lassen aber nicht locker, fragen sie nach Freunden und Bekannten von Jarrah. Gülay erzählt etwas von einem gewissen Mounir, mit dem sie ein paar Mal telefoniert habe. "Seinen Nachnamen kenn ich nicht, ich habe ihn auch niemals gesehen…" Gemeint ist Mounir Motassadeq, der sich immer noch vor dem Hamburger Oberlandesgericht wegen Beihilfe zum Massenmord verantworten muss.

Die Liebe des Terroristen

Die Beamten haben den Verdacht, dass die Frau mehr weiß, als sie zugeben will. Nach einer Stunde bricht sie die Vernehmung ab, sagt, sie sei zu erschöpft. Der Polizeiarzt untersucht sie und diagnostiziert, bei Gülay sei eine "totale physische und psychische Erschöpfung eingetreten". Er führt dies auf die "abgelegte Examensprüfung, die erst kürzlich erfolgte Mandeloperation und natürlich die aktuellen Ereignisse in den USA" zurück. Gülay bekommt ein Beruhigungsmittel. Währenddessen wird ihr Appartement in der Nähe der Ruhr-Universität durchsucht. Gülay ist damit einverstanden und hat den Beamten die Schlüssel überlassen, Wohnung und Keller werden gründlich durchsucht. Sie finden ein Lehrbuch des Flugmedizinischen Instituts der Luftwaffe. Zwischen dem Einband und der ersten Seite steckt ein Zettel, aus dem hervorgeht, dass das Buch Ziad Jarrah gehört.

Im Keller entdecken sie Kartons mit Briefen und ausgedruckten E-Mails von Ziad Jarrah und Gülay, dazu einen Notizblock mit Adressen von Ultraleicht-Flugschulen in Deutschland. Daneben handschriftliche Berechnungen, die sich mit Flugphysik, Düsenantrieb und der Schubumkehr befassen. Die Beamten packen alles ein. Noch am gleichen Abend wird Markus H., Gülays Studienfreund, vernommen. Er beteuert: "Ich bin mir sicher, dass Gülay von den Beziehungen Ziads zu irgendwelchen Terrorgruppen nichts gewusst hat. Auf keinen Fall hat sie etwas über diesen geplanten Anschlag gewusst."

Am nächsten Morgen wird Gülays Leben Stück für Stück seziert. Polizeibeamte werten die Asservate aus, die sie im "Objekt 12", wie sie Gülays Studentenwohnung intern nennen, gefunden haben. Darunter auch Zettel mit der Kontonummer eines Greifswalder Imams, den der Verfassungsschutz seit Jahren im Visier hat, sowie zwei CD-ROMs mit Flugsimulatorsoftware und Zettel mit der vermeintlichen Rufnummer von Ramzi Binalshibh. Nach dem Koordinator der Anschläge in New York und Washington wird zu diesem Zeitpunkt weltweit gefahndet.

Am Nachmittag, gegen 16.45 Uhr, erscheint Gülay erneut zur Vernehmung, wieder mit ihrem Anwalt. Sie erzählt, wie sie Jarrah kennen und lieben gelernt hat, dass sie eine Familie gründen wollten. Sie erzählt nun auch, wie sich Jarrah nach seinem Umzug nach Hamburg veränderte, sich einen Bart wachsen ließ, wie er von ihr verlangte, ihr Leben zu ändern, strenger nach den Regeln des Korans zu leben. Ein paar Zimmer weiter auf dem Bochumer Polizeipräsidium sitzt zur selben Zeit Siri K., Gülays frühere Zimmernachbarin. Als sie morgens im Radio hörte, einer der Terroristen habe sich in Bochum aufgehalten, musste sie sofort an Ziad Jarrah denken. Abends stand ihr Entschluss fest. Zusammen mit ihrem Verlobten ging sie zur Polizei.

Dass sie mit Jarrah verheiratet war, verschweigt Gülay in der Vernehmung

Siri nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie erzählt von Jarrahs radikalen Äußerungen, dass er kein Geheimnis daraus machte, in den Dschihad ziehen zu wollen, er es als eine Ehre bezeichnet habe, für Allah zu sterben. Sie skizziert ein anderes Bild von Jarrah, als Gülay es tut. Siri berichtet auch von der Heirat der beiden in einer Hamburger Moschee. Die Vernehmungsbeamten horchen auf. Dass sie geheiratet haben, hat ihnen Gülay bislang verschwiegen.

Gülay wird von nun an täglich vernommen. Stück für Stück fügt sich für die Polizeibeamten das Bild zusammen. Gülay wird mit Widersprüchen aus ihren vorherigen Aussagen konfrontiert. Sie flüchtet sich in Ausreden. Inzwischen wissen die Beamten mehr, als ihr lieb ist. Einmal sagen sie Gülay unverblümt: "Es liegen Informationen vor, dass Sie Ziad Jarrah nach islamischem Recht geheiratet haben sollen. Bitte äußern Sie sich dazu!" Gülay sagt nur: "Dazu möchte ich mich nicht äußern." Die Beamten rühren noch an viel schmerzhaftere Erinnerungen: "Aus der Korrespondenz zwischen Ihnen und Ziad Jarrah lässt sich schließen, dass Sie einmal schwanger gewesen sind. Trifft dies zu?" Gülay schweigt.

Die Liebe des Terroristen

Am 13. November 2001 trifft sich Gülay zum vorerst letzten Mal mit zwei Beamten des BKA. Sie sind im Steigenberger Hotel in Stuttgart verabredet. Es ist keine offizielle Vernehmung, die Beamten möchten Gülay etwas überbringen: ein Postpaket von Jarrah, aufgegeben am Tag vor dem Anschlag, mit dem Vermerk "extremely urgent" versehen. Das Paket ist an Gülay adressiert. Aus ungeklärten Gründen konnte es nicht zugestellt werden und wurde zurückgesandt. Das FBI leitete das Paket ans BKA weiter. Es enthält Ziad Jarrahs Taucherschein, ausgestellt vom Verband Deutscher Sporttaucher, das Zertifikat seines ersten Alleinflugs in Amerika und eine Postkarte, auf deren Vorderseite zwei leere Strandstühle am Meer abgebildet sind. Auf der Rückseite steht in krakeliger Schrift: "Dein Platz bei mir ist… Ich liebe Dich, ich umarme Dich, Ziad Jarrah."

Außerdem liegt ein Brief in dem Paket, er ist ebenfalls von Jarrah. Als die Beamten den Brief Gülay übergeben, bittet sie die beiden Polizisten, die Zeilen nicht sofort lesen zu müssen. Die Beamten haben dafür Verständnis. Sie kennen den Inhalt.

"Als erstes will ich, dass du ganz fest glaubst und ganz sicher gehst, dass ich dich von ganzem Herzen liebe", schreibt Ziad. "Du darfst keinen Zweifel daran haben. Ich liebe dich und ich werde dich immer lieben, bis zur Ewigkeit. Ich will nicht, dass du traurig wirst. Ich lebe noch, wo anders, wo du mich nicht sehen kannst und nicht hören, aber ich werde dich sehen und wissen, wie es dir geht. Und ich werde auf dich warten, bis du zu mir kommst. Jeder hat seine Zeit und wird irgendwann umziehen." Jarrah entschuldigt sich bei seiner Frau, dass er ihr falsche Hoffnungen über die gemeinsame Zukunft gemacht habe. "Ich bin nicht vor dir geflüchtet, aber ich habe gemacht, was ich machen sollte. Du solltest ganz stolz darauf sein, das ist eine Ehre und du wirst die Resultate sehen, und alle werden sich freuen."

Jarrah ermutigt Gülay, wieder zu heiraten. Das würde nichts ändern. "Ich werde dich trotzdem abholen, auch wenn du noch mal heiratest, habe keine Angst. Aber du weißt, nicht alle Männer gefallen mir ... Denke daran, was du bist und wer dich verdienen könnte. Ich umarme dich und ich küsse dich auf die Hände und auf den Kopf. Und ich bedanke mich bei dir und entschuldige mich für die ganz schönen, harten fünf Jahre, die du mit mir verbracht (hast). Ich bin dein Prinz und werde dich abholen. Auf Wiedersehen!! Dein Mann für immer, Ziad Jarrah, 10-9-2001."