Antonio da Silva Cravo aus Portugal hat eine historische Chance knapp verpasst: Er kam mit seinem Landsmann Rodrigues de Sá nach Deutschland, der als millionster Gastarbeiter von Arbeitgeberverbänden ein Moped geschenkt bekam. Cravo ging leer aus. Das Moped steht heute im Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn, Rodrigues de Sá starb 1979. Cravo, 64 Jahre alt, lebt in Dortmund.

DIE ZEIT: Wie haben Sie den Empfang Ihres Zuges in Köln-Deutz vor 40 Jahren erlebt?

Antonio da Silva Cravo: Ich war sehr überrascht, dass so viele Leute auf dem Bahnsteig warteten. Wir waren zwei Tage gefahren. Der Zug war ganz schlimm, wir saßen auf harten Holzbänken ohne Kopfstütze. Wir hatten keine Heizung, es war richtig kalt in der Nacht. Und plötzlich stand dort eine Kapelle auf dem Bahnsteig, es gab Blumen, Mädchen waren da, viele wichtige Leute, wohl von der deutschen Regierung. Das hat uns sehr gewundert. Jeder von uns bekam eine Bockwurst mit Brötchen und deutsches Bier, Dortmunder Union. Und dann gab es den Mann mit dem Moped.

ZEIT: Kannten Sie ihn?

Cravo: Nein, er wohnte in unserem Kreis, aber 90 Kilometer weit weg. Ich komme aus Tabuaço, etwa 150 Kilometer südöstlich von Porto. Er ist zwar mit mir in Porto in den Zug gestiegen, aber mir erst in Köln aufgefallen. Als ich ihn auf dem Bahnsteig sah, dachte ich: Was für ein alter Mann.

ZEIT: Er war 38 Jahre alt, Sie erst 24…

Cravo: …ja, genau. Ich habe gleich gesehen, dass er wohl gar nicht Moped fahren kann: Er schob es, setzte sich nur für die Fotografen drauf. Ich dagegen konnte Moped fahren, ich war drei Jahre lang bei der Armee in Angola gewesen, hatte dort den Führerschein gemacht, für große und kleine Lastwagen und auch für Motorräder. Bei mir wäre das Moped besser aufgehoben gewesen.