DIE ZEIT: Herr Almunia, Sie wollen den Stabilitätspakt reformieren und machen mit Ihren Vorschlägen Finanzminister Hans Eichel sehr glücklich.

Joaquín Almunia: Das höre ich gern. Ich mag glückliche Finanzminister.

ZEIT: Das klingt aber sehr versöhnlich. Da kennt man aus Brüssel andere Töne.

Almunia: Ich setze sehr darauf, dass die Arbeitsbeziehungen mit den Finanzministern gut und von Vertrauen geprägt sind. In der Vergangenheit gab es Streit zwischen der Kommission und den Ministern. Das hat niemandem geholfen und ist jetzt vorbei. Inzwischen haben wir alle gelernt, dass wir pfleglich miteinander umgehen müssen. Wir müssen in der Finanzpolitik besser kooperieren.

ZEIT: Herr Eichel würde wahrscheinlich sagen, endlich hat die Kommission Vernunft angenommen und mit ihren Reformvorschlägen umgesetzt, was ich immer wollte. Haben Sie das getan?

Almunia: Mir geht es eher darum, dass Eichel das tut, was für Europa und für Deutschland gut ist. Ich bin mir der Probleme Deutschlands sehr wohl bewusst. Die inländische Nachfrage ist schwach, es gibt Proteste gegen Sozialreformen. Trotzdem muss sich auch Deutschland an die europäischen Gesetze halten – und damit an den gültigen Stabilitätspakt von 1997.

ZEIT: Sollte der Pakt tatsächlich so reformiert werden, wie Sie es vorschlagen, dann sehen die Regeln künftig anders aus. Dann wird beispielsweise die Drei-Prozent-Hürde aufgeweicht, dann dürften Länder in Krisen länger einen größeren Teil ihres Haushaltes durch Schulden finanzieren – so wie Deutschland das jetzt tut.