Rund 50 000 ausländische Entsendearbeiter, 200 000 Saisonbeschäftigte und bis zu eine Million illegale Arbeitskräfte schuften in Deutschland in Jobs, die Deutsche überwiegend nicht wollen - vor allem am Bau, in Hotels und Gaststätten, in Schlachthöfen und in der Landwirtschaft. Um ihre Rechte kümmert sich kaum jemand, gute Löhne erhalten die wenigsten. Das soll sich ändern, findet die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und hat einen Europäischen Verband der Wanderarbeiter gegründet. Seine wichtigste Mission: die Sicherung ordentlicher Löhne, die Durchsetzung von Tarifverträgen und die Betreuung in Rechtsfragen - für alle Mitglieder überall in Europa.

Die Gründung eines eigenen Wanderarbeiter-Verbandes sei notwendig geworden, weil die IG Bau mit der Betreuung von Migranten organisatorisch überfordert ist, sagt Mathias Kirchner, der Generalsekretär der neuen Organisation. Um die überwiegend aus Osteuropa kommenden Arbeitnehmer zu organisieren, sollen gezielt ausländische Mitarbeiter eingesetzt werden. Es gehe zunächst darum, so Kirchner, die teilweise verängstigten Beschäftigten in ihrer Muttersprache anzusprechen und ihnen Mut zu machen. Langfristig wolle man dafür sorgen, dass sie zu den Konditionen arbeiten könnten, die Tarifverträge auch für deutsche Arbeitnehmer vorschreiben. Dass dadurch für manchen Unternehmer der Anreiz entfällt, Ausländer einzustellen, ist für Kirchner kein Problem: Viele Arbeitgeber leiden selbst unter der Billigkonkurrenz anderer Firmen. Sie sind froh, dass wir ihnen die Drecksarbeit abnehmen, am Markt für bessere Verhältnisse zu sorgen.