Es waren einmal ein Mono-Plattenspieler namens Dual und eine Stereo-Schallplatte namens Rubber Soul. Brachte man sie zusammen, war ausschließlich ein Kanal zu hören: ... aah ... Michelle ... aah ... ma belle ... aah, samt Schlagzeug und Gitarren. Ein Kanal wurde verschluckt, die Spuren sollten zueinander nicht finden. Bill Frisells neues Album könnte man so verstehen: Irgendetwas fehlt, und das macht den Reiz von Unspeakable (WEA/Nonesuch 79828) aus. Es ist der Soundtrack für alle Sängerinnen und Sänger, die der Gitarrist begleiten könnte, aber (noch) nicht begleitet hat.

Man war des Gitarristen Bill Frisell in letzter Zeit etwas müde geworden.

Angenehm plätschernde Americana-Produkte von Nashville über Blue Grass zu solidem Rock oder internationalem Flughafen-Flair, dazu sein inniges Bühnenlächeln, samt leichtem Kopfsenken oder Augenliderheben (im schrecklichsten Fall beides kombiniert): Kosmische Glückseligkeit über jeden Ton, den ich mit euch spielen darf. Es war beliebig abrufbarer Schönklang, der sich über alles legte, und nun dies!

Tief unten regt sich elektronische Widerborstigkeit, melden sich Samples, malen Streicher ihre Klangbilder, fetzt ein Bläsertrio zum wohlfeilen Funk.

Irgendwie passt das alles nicht und macht sich doch ganz großartig.

Verantwortlich für dieses manchmal eingängige und dann kakofonische Spiel-along ist der amerikanische Produzent Hal Willner, seit dreißig Jahren in Projekte über Nino Rota, Kurt Weill oder Thelonious Monk involviert, bei denen er immer auf die Schwell- und Schwebeklänge der Frisellschen Gitarre zurückgriff. Diesmal steht er zusätzlich an Turntable und den Samples, verleiht den Stücken den Charakter jener music minus one-Platten, bei denen man die Melodie selbst singen konnte. Miles Davis klingt da mit (Alias) oder Van Morrison (Who Was That Girl?), Jon Hassell ebenso wie Shaft.

Unspeakable beginnt eigentlich mit Track 6, die Stücke davor sollte man erst nachher hören, um nicht über alte Vorurteile zu stolpern. Es ist Musik, die ausufernd sich ausbreitet und zugleich hermetisch einschließt, mit strengen, monochromen Streicherflächen, elektronischem Störfeuer, solidem Schlagzeugrhythmus und jaulendem Gitarrenton. Das dichte Gewebe aus Gitarrentrio, Streichertrio, Bläsertrio und Sample-Mann führt wieder zurück zum grandiosen Album Have A Little Faith von 1993, auf dem Bill Frisell zum ersten Mal seiner stimmlosen Liebe zum Song huldigte. Wenn Instrumentalmusik ohnehin nur den Versuch darstellt, die menschliche Stimme hörbar zu machen, dann gibt es hier vierzehn Soundtracks, diese Sehnsucht zu beschreiben.