BMW macht es und Land Rover ebenso, Mercedes und VW sind auch dabei. Wenn es darum geht, Kunden für teure Allradmodelle zu begeistern, werden Fahrzeughersteller zu Reiseveranstaltern. Aufwändige Abenteuertouren im Geländewagen, die bislang – wie bei der legendären Camel Trophy – nur wenigen Auserwählten vorbehalten waren, kann mittlerweile jedermann buchen, dem es das Geld wert ist. Hinter dem Querfeldein-Tourismus steckt allerdings nicht der Wunsch nach einem Zusatzgeschäft, sondern langfristiges Kalkül. Knapp 60 verschiedene Offroad-Modelle konkurrieren allein auf dem deutschen Markt – Tendenz steigend. Im wachsenden Wettbewerb wollen die Produzenten Orientierungshilfe leisten: Potenzielle Autokäufer sollen näher an ein Fabrikat herangeführt werden und sich mit ihm identifizieren. Die exklusiven Veranstaltungen sind nicht selten für die Autoproduzenten defizitär.

Billig sind die Geländetrips für die Kunden trotzdem nicht. Die oft mehrwöchigen Expeditionen sind professionell organisiert, was meist von externen Unternehmen übernommen wird. Anreise, Unterkunft, Verpflegung und die Benutzung der Fahrzeuge sind im Preis enthalten. Die hohe Nachfrage bestätigt das Konzept: Viele Touren sind schon Monate im Voraus ausgebucht. Denn das Fahren fernab jeder Zivilisation geht über die üblichen Sicherheitstrainingsprogramme, die schon seit längerem angeboten werden, hinaus. Die Offroad-Expeditionen versprechen Abenteuer und Lagerfeuerromantik.

Bei der Fahrt durch unwegsames Terrain müssen Berge und Flüsse überwunden werden, und es wird schon mal im Freien übernachtet – im Zelt oder auf den Autodächern. Vorrangig geht es natürlich um den richtigen Umgang mit der Allradtechnik: Wer weiß schon, wie man eine Seilwinde richtig einsetzt oder dass es sich beim Lift Jack um einen sandtauglichen Wagenheber handelt? Kompass- oder Satellitennavigation wird ebenfalls geübt. Das Begleitpersonal informiert aber auch über Land und Leute.

Die britische Firma Land Rover ( www.landrover.de ) wirbt mit "grenzenlosen Landschaften, Flüssen und Seen" für eine Tour durch British Columbia, außerdem hat der Hersteller Island, Mexiko/Guatemala/Belize, Namibia oder Spanien in seinem Reiseangebot. Schließlich ginge es auch darum, die Einsatzmöglichkeiten der Fahrzeuge in verschiedenen Klimazonen zu demonstrieren, meint der Manager des Experience-Programms Christian Uhrig: "Wir bieten die intensivste Probefahrt der Welt." Die Touren mit maximal zehn Teilnehmern dauern zwischen vier und zehn Tagen und kosten zwischen 1280 und 3980 Euro.

BMW ( www.bmw.de/fahrertraining ) zum Beispiel organisiert Erlebnisreisen in kleinen Gruppen nach Namibia, neun Tage kosten 4950 Euro. Wer erst einmal bei einem Kurzurlaub den Geländewagen testen will, kann für 1380 Euro ein dreitägiges Erlebnistraining in der Slowakei buchen.

Deutlich feudaler geht es bei Mercedes-Benz ( www.offroad.mercedes-benz.de ) zu: Man chartert schon mal eine Boeing 747 Cargo, um die Privatwagen der Reiseteilnehmer in die mongolische Hauptstadt Ulan-Bator zu fliegen. Zwischen 10700 und 15800 Euro werden für vierwöchige Touren mit eigenem oder gestelltem Wagen durch die Mongolei oder auch Kanada verlangt. Außerdem gibt es einwöchige Touren durch Tunesien oder die Sahara (2290 bis 5580 Euro) oder mehrtägige Exkursionen in Deutschland und Frankreich. Eine Agentur betreut den hauseigenen Geländewagenclub und gibt eine eigene Zeitschrift mit Terminkalender heraus. 2005 soll es unter anderem nach Finnland zum Polarkreis gehen.

Wer für Porsche schwärmt, kann mit dem Porsche Travel Club Adventure ( www.porsche.de ) zehn Tage on- und offroad der amerikanischen Route 66 folgen (ab 5300 Euro), wer auf den Touareg schwört, sogar eine Weltreise planen: In 14 Etappen, jeweils zwei bis vier Wochen, führt sie durch Alaska, die USA, Mittel- und Südamerika, Australien, China, die Mongolei, Indien, Afrika und Europa (Preis pro Abschnitt zwischen 3980 und 6750 Euro, www.volkswagen-experience.de ).