Bundespräsident Horst Köhler, noch nicht lange in Berlin angekommen, hat der Stadt schon eine Idee geschenkt: die besten Kunstwerke aus den besten Museen in einer Sonderausstellung zu zeigen. Eine Leistungsschau, die Massen mobilisieren und das seit DDR-Zeiten schmerzlich vermisste Weltniveau dokumentieren soll. Vielleicht ist diese Idee Köhler auch zugeschoben worden, denn sie ist nicht neu, sie ist nur durch den Erfolg der MoMA-Ausstellung wiederbelebt worden, entspringt aber dem traditionellen Berliner Kummer über die unübersichtliche Verteilung berühmter Werke quer durch die Sammlungen und über das Stadtgebiet hinweg. Die Gemäldegalerie enthält nicht, was die Alte Nationalgalerie zeigt, die Alte Nationalgalerie nicht, was in den Schlössern hängt, die Berliner Schlösser haben nicht, was in Potsdam hängt, also zum Beispiel die berühmten Watteaus, die in der Galerie Friedrichs II. in Sanssouci zu sehen sind. Die Berliner, kurzum, leiden plötzlich wieder an etwas, wofür sie andernorts beneidet werden: dass viele Kunstwerke sich noch oder wieder an ihrem historischen Ort befinden. Da sollten sie auch bleiben.

Phantomschmerzen muss man nicht bekämpfen.