Mit dem allmählichen Wiederaufbau des Schlosses entsteht in Dresden zugleich eine neue kunst- und kulturgeschichtliche Hauptadresse. Reiche Buchbestände sind hier zu einer vorzüglichen Kunstbibliothek zusammengezogen worden. Das Kupferstichkabinett hat im dritten Geschoss des Westflügels würdige Studiensäle und Magazine erhalten. In seinem Ausstellungssaal sorgt nun bereits die zweite Ausstellung für Aufsehen – die RembrandtZeichnungen des Kabinetts müssen eine strenge Sichtung über sich ergehen lassen. Gezeigt werden 117 Zeichnungen, die alle einmal Rembrandt zugeschrieben worden waren, von denen aber heute nur noch 21 als echt gelten. Mit energischen Strichlagen werden auf diesen Blättern der Ausdruck und der Umriss von Figuren prägnant herausgearbeitet und Historien auf den Punkt gebracht. Von den Arbeitsergebnissen des Meisters konnten die Schüler und Nachahmer ausgehen und vermochten deshalb – das wird durch die Gegenüberstellung sehr schön deutlich – mit dem Stift unbekümmerter umzugehen.

In den Räumen des Kupferstichkabinetts war ursprünglich die Kunstkammer untergebracht. In ihr wurden die Zeichnungen und Stiche als Wunder der Hand zusammen mit den Wundern der Natur und des Geistes aufbewahrt. Die Kunstkammer der Wettiner war unter August dem Starken zu einem wahrhaften Schatzhaus ausgebaut und öffentlich zugänglich gemacht worden. Von dieser Woche an wird im ersten Geschoss des Westflügels ein Teil der Schätze in einem Neuen Grünen Gewölbe wieder ständig zu besichtigen sein. Zum Stadtjubiläum 2006 soll dann das historische Grüne Gewölbe in der alten, wiederhergestellten Form hinzukommen.

Der jetzt eröffnete Trakt bietet Objekte aus der Schatzkammer, die zum großen Teil bisher noch nicht zu sehen waren. Die entspiegelten Vitrinen und eine komplexe Beleuchtungstechnik bewirken, dass man diese Wunderwerke handwerklicher Akribie so genau und brillant zu sehen bekommt, wie dies nirgends sonst in einem Museum bisher möglich war. Allein schon diese Dresdner Präsentation ist ein museologisches Großereignis. Man glaubt sich in eine glitzernde Zauberwelt versetzt, wenn man zwischen den Pretiosen aus der Frühen Neuzeit, welche die Wettiner so leidenschaftlich kaufen oder herstellen ließen, entlangläuft, zwischen den glanzvollen Kleinodien und Schmuckstücken der Juwelierkunst, den Mikroschnitzereien aus Elfenbein und Holz, an jenem Kirschkern mit den 185 hineingeschnitzten Gesichtern oder an der Elfenbeinfregatte von Jacob Zeller entlang, zwischen Kunststücken aus Glas oder Bergkristall, filigranen Goldschmiedewerken, Prunkschalen, Kannen, Perlfiguren, raffinierten Automaten, Garnituren oder Groteskfiguren.

In einem Saal sind die virtuosen Produkte des Melchior Dinglinger zusammengestellt, darunter die 132 asiatischen Figuren, die den Geburtstag eines Großmoguls feiern, oder der Goldene Kaffeezug, wo auf einem Gestell, das mit Tausenden Diamanten und Edelsteinen verziert ist, Geschirr aus massivem Gold zu stehen kommt, das August der Starke 1701 für sein Schloss in Warschau für 40000 Taler erwarb.

Der heutige Besucher, der die Sparparolen des Tages verinnerlicht hat, wird sich bei all dem Glanz vielleicht beruhigen mit dem Gedanken, dass doch diese ganze Pracht den Erfindergeist und die technische Fantasie befördert hat, welche bald danach unsere Maschinenwelt hervorbrachten.

"Rembrandt. Die Dresdner Zeichnungen 2004" bis zum 3. Oktober; Katalog 24.90 Euro; das Katalogbuch über das Neue Grüne Gewölbe kostet 19,90 Euro. Weiteres:www.skd-dresden.de