Einmal im Jahr treffen sich die Finanzminister Europas in Hemdsärmeln. Ganz ungezwungen räsonieren sie dann auf dem so genannten "informellen Ecofin" über die Zukunft ihrer Politik – ohne der Öffentlichkeit gleich Ergebnisse präsentieren zu müssen. Am kommenden Wochenende dürften sie darüber ganz besonders froh sein, denn es mangelt bei ihrem Treffen im holländischen Schreveningen nicht an Streitpunkten. So steht unter anderem eine hoch brisante Debatte über Mindeststeuersätze auf der Tagesordnung: Wie viel Steuerdumping darf es künftig in Europa geben? Die Fronten sind klar: Ost kämpft gegen West, neu gegen alt. Während die neuen Mitgliedsländer heftig dafür werben, Unternehmen auch künftig durch niedrige Steuern anlocken zu dürfen, wehrt sich ein Teil der alten EU-Staaten gegen diesen Wettbewerb.

Außerdem werden die Mitglieder der EuroGruppe zum ersten Mal über die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des Stabilitätspaktes debattieren. Währungskommissar Joaquín Almunia will Regierungen, die Ausnahmebedingungen gelten machen, mehr Zeit zur Reduzierung ihrer Staatsdefizite lassen. Dafür sollen sie in guten Zeiten stärker sparen und ihre Schulden schneller abbauen (siehe Interview: "Fragen Sie Eichel!" ). Bis zum kommenden Frühjahr, hofft Almunia, werden die Regierungen diese Vorschläge akzeptieren. Auch hier sind die Fronten klar: Hans Eichel und sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy begrüßen die Überarbeitung der alten Regeln. Die Österreicher und Holländer bekämpfen sie. Wer gewinnt, wird sich auch daran ablesen lassen, ob die EU das laufende Defizitverfahren gegen Deutschland und Frankreich verschärft oder abschwächt. PIN