Erinnert sich noch jemand an Schill? Ronald Schill, genannt Richter Gnadenlos? Der Mann war in Hamburg einmal Innensenator und stellvertretender Bürgermeister, verschiedentlich wurde er darum für einen Politiker gehalten.

Ein Missverständnis. Schill ist, oder war, ein Star - in jener Bedeutung des Wortes, die es in den Zeiten der Naddel-Bohlen-Küblböcks angenommen hat. Von diesen unterscheidet ihn, dass jene von den Trash-Medien allein zur Belustigung des Publikums geschaffen und vernichtet werden, während Schills Schicksal immerhin einem Zweck diente. Groß machte ihn die Bild-Zeitung, als er für den im Hause Springer gewünschten Wechsel im Hamburger Rathaus benötigt wurde, klein, als dem nicht mehr so war.

Nun verabschiedet sich Schill aus Deutschland. Ade, du schnöde Heimat - Kuba, ich komme! Der Mann wandert aus, und uns Zurückbleibenden wird, bei aller Kritik, ein wenig wehe ums Herz. Es war doch auch schön, oder jedenfalls interessant, mit diesem Senator Gnadenlos.

Dieser Tage kann man rund um das Hamburger Rathaus Polizisten demonstrieren sehen, einige von ihnen - dank Schill - in schmucken blauen Uniformen. Sie wehren sich dagegen, dass der CDU-Senat ihre Zahl auf rot-grünes Maß zurückstutzt. Aber sie wehren sich vergebens - die Angst vor dem Verbrechen ist eine Größe, die hiesige Medien hoch- und runterregeln wie den Beifall in billigen Fernsehshows. Zurzeit ist der Pegel niedrig.

So bleibt Schills Fans eine letzte Hoffnung. Es ist eine Fernsehshow, und sie könnte auf Kuba produziert werden. Ihr Motto lautet: Ich bin ein Star, holt mich hier raus!